Hintergrund : Jens Söring - seit 26 Jahren in Haft

Seit 26 Jahren sitzt der deutsche Diplomatensohn Jens Söring in einem US-Gefängnis – verurteilt zu zwei Mal „lebenslänglich“ für einen Doppelmord, von dem er sagt, dass er ihn nicht begangen hat.

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Seine damalige Freundin Elizabeth Haysom habe ihre Eltern am 30. März 1985 in deren Wochenendhaus in Virginia umgebracht: den 72-jährigen südafrikanischen Stahlunternehmer Derek Haysom und dessen 53-jährige Ehefrau Nancy. Nach den Spuren zu urteilen, war es ein grausames Verbrechen. Auf den Vater stachen die Täter 27 Mal ein, sein Kopf war am Ende nur noch durch eine dünne Muskelfaser mit dem Körper verbunden. Auch den Kopf der Mutter trennten die Täter beinahe ab. Vermutlich waren Drogen im Spiel, und Elizabeth hatte einen zufälligen Mittäter gefunden. Söring war damals 19, studierte an der University of Virginia und war zum ersten Mal verliebt.

Söring und Elizabeth flohen aus den USA, was auf die US-Justiz wie ein Schuldeingeständnis wirkte, und wurden 1986 in London wegen Scheckbetrugs festgenommen. An die USA ausgeliefert wurde Söring erst, nachdem der Europäische Gerichtshof befunden hatte, dass die US-Justiz zuvor garantieren muss, kein Todesurteil gegen den Deutschen zu verhängen – ein Urteil, das Geschichte schrieb. Söring sagt, er habe die Tat auf sich genommen, um Elizabeth, der die Todesstrafe gedroht hätte, zu retten. Er glaubte, als jugendlicher Ausländer mit wenigen Jahren Gefängnis davonzukommen. Später bereute Söring sein Geständnis und widerrief es.

Im Prozess waren Sörings Geständnisse maßgeblich, da die Tatwaffe nicht gefunden worden war und es auch keine Zeugen gab. Söring bekam zwei Mal „lebenslänglich“, Elizabeth 90 Jahre für Anstiftung zum Mord. Seither kämpft Söring für ein neues Verfahren oder die Überstellung nach Deutschland. Er hat Bücher geschrieben, zuletzt „Nicht schuldig“, Droemer Verlag 2012. Seine Webseite mit allen Unterlagen zum Fall: www.jenssoering.de

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