Hintergrund : Nato baut in Afghanistan auf deutsche Tornados

Deutsche Tornados sind in Afghanistan gefragt. Weniger als Kampfflugzeuge sondern wegen ihrer Aufklärungsmöglichkeiten. Was können die so genannten "Recce"-Tornados, was die Nato-Drohnen bisher nicht vermochten?

Berlin - Mit den deutschen Recce-Tornados will sich die Nato ein klareres Bild der Lage in ganz Afghanistan verschaffen. Im Vergleich zu den bisher im Rahmen der Internationalen Schutztruppe (Isaf) eingesetzten Drohnen verfügen die Flugzeuge über eine deutlich größere Reichweite, können selbst bei schlechtem Wetter sehr tief fliegen und auch nachts fotografieren. Direkt übertragen werden können allerdings nur die Aufnahmen des Infrarotsensors. Die Digitalfotos können erst am Boden ausgewertet werden.

Tornados können theoretisch der Geländeformation bis zu 60 Meter über Grund automatisch folgen - auch bei schlechtem Wetter und in der Nacht. Manuell kann der Pilot seine Maschine sogar bis auf 30 Meter Höhe herunterbringen. Der Tiefflug dürfte allerdings der Ausnahmefall bleiben, um die Tornados aus dem Schussfeld von Luftabwehrraketen der Taliban zu halten. Die Reichweite der Aufklärer liegt zwischen 1400 und 3900 Kilometern. Zur gegenseitigen Unterstützung fliegen die Zweisitzer immer mindestens als Paar.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums sind 30 der 188 Bundeswehr-Tornados mit dem Aufklärungssystem "Recce Pod" ausgerüstet. "Recce" ist die Abkürzung für das englische "Reconnaissance" ("Aufklärung" oder "Erkundung"). Für das gemeinsam von der israelischen Firma Rafael und Carl Zeiss Optotronic entwickelte System wird an der Unterseite der Maschinen ein torpedoförmiger Behälter mit einem Infrarotsensor und zwei Digitalkameras montiert.

Vier bis fünf Stunden bis zu Auswertung

Die Wärmebilder der Infrarotkamera können ohne Zeitverzögerung an eine Bodenstation übertragen werden, sagen aber nichts darüber aus, ob es sich bei möglicherweise registrierten Personengruppen um Zivilisten oder etwa um Taliban handelt. Von den beiden Digitalkameras ist eine speziell für den Tiefflug ausgelegt und liefert Horizontbilder. Die zweite Kamera fertigt aus größerer Höhe dank langer Brennweite hochauflösende Fotos vom überflogenen Grund.

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums dauert ein Tornado-Aufklärungsflug eine bis anderthalb Stunden, danach müssen die Aufklärungsergebnisse noch ausgewertet werden. Somit würden vier bis fünf Stunden vergehen, bis die Informationen bearbeitet sind und tatsächlich zur Verfügung stehen. Erst im Test befindet sich laut Bundesluftwaffe eine "RecceLite" genannte Weiterentwicklung des Aufklärungssystems, die es ermöglichen würde, auch digital aufgenommene Bilder in Echtzeit an eine Bodenstation oder andere Kampfflugzeuge weiterzuleiten. (tso/AFP)

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