Hintergrund : Polonium - eine todbringende Substanz

In der Leiche des in London ermordeten russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko wurden Spuren des radioaktiven Elements Polonium nachgewiesen. Für den Menschen ist die Substanz schon in kleinen Dosen hoch giftig.

Berlin - Bereits bei einer geringen Vergiftung löst die Substanz irreparable Schäden an Nieren, Leber und Milz aus. Allerdings reicht bei äußerer Bestrahlung bereits ein Blatt Papier, die Kleidung oder sogar die Haut, um die gefährliche Alphastrahlung abzuhalten. Anders sieht es dagegen aus, wenn das Polonium über Mund, Nase oder offene Wunden in den Körper gelangt. Eine Belastung kann am einfachsten über Urinausscheidungen nachgewiesen werden.

Polonium gehört zu den seltensten Elementen überhaupt: In zehn Gramm Uran ist maximal ein Milliardstel Gramm Polonium eingebunden. Wegen seiner Alphastrahlung wird Polonium häufig in der Forschung und Medizin, aber auch beim Militär verwendet. Unter anderem dient es als Heizmittel für die Triebwerke in Raumfähren. Außerhalb militärischer und wissenschaftlicher Kreise ist es nur selten zu finden. In der Natur - in Luft und Boden - kommt Polonium nur in sehr schwachen Dosen vor. Bekannt sind Isotope mit einer Massenzahl zwischen 192 und 218. Polonium 210, auch Radium F genannt, ist das einzige Isotop, das in der Natur vorkommt. Dieses Isotop wurde in der Leiche des in London ermordeten russischen Ex-Spions Alexander Litwinenko nachgewiesen - und Spuren davon fanden sich nun wohl auch in Hamburg.

Entdeckerin Curie starb an Folgen ihrer Arbeit

1898 entdeckte die Wissenschaftlerin Marie Curie das neue Element und benannte es nach ihrem Heimatland Polen. Für ihre Studien zur Radioaktivität und die Entdeckung von Polonium und Radium erhielten Marie Curie und ihr Ehemann Pierre Curie gemeinsam mit dem französischen Forscher Antoine Becquerel 1903 den Nobelpreis für Physik. Wie so viele Radiologen ihrer Zeit starb Marie Curie 1934 an den Folgen ihrer Arbeit mit 67 Jahren an Krebs.

Polonium ist das erste Element, das durch seine Radioaktivität nachgewiesen wurde. Durch die Strahlung leuchtet im Dunkeln die umgebende Luft hellblau auf. Polonium hat eine Halbwertzeit von 138 Tagen; nach gut drei Monaten hat es also die Hälfte seiner Radioaktivität verloren. (tso/AFP)

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