Hintergrund : Superdelegierte - die Königsmacher

Der Kampf um die Präsidentschaftskandidatur ist weiter offen. Es könnte sogar sein, dass es alleine durch die Vorwahlen zu keiner Entscheidung kommt. Dann würde die Partei-Elite, die so genannten Superdelegierten, das Zünglein an der Waage spielen.

Washington Niemand wird im US-Wahlkampf von den Kandidaten derzeit so umworben wie die "Superdelegierten". Sie sind die Partei-Elite der US-Demokraten: Kongressabgeordnete, Senatoren, Gouverneure, Expräsidenten, Mitglieder der Parteiführung in Washington und in den Bundesstaaten. Sie alle haben von Amts wegen Stimmrecht auf dem Wahlparteitag, auf dem Ende August in Denver der Spitzenkandidat für die Präsidentschaft gekürt wird. Die "Superdelegierten" machen dort 796 der 4049 Delegierten aus - und könnten mit ihren Stimmen die Entscheidung im Rennen zwischen Barack Obama und Hillary Clinton treffen, sollte das Patt der beiden bei den Vorwahlen anhalten.

Die "Superdelegierten" sind auf dem Parteitag unabhängig bei der Stimmabgabe. Darin unterscheiden sie sich vom Gros der Delegierten, die bei den Vorwahlen in den Bundesstaaten gewählt werden und in ihrem Abstimmungsverhalten je nach Wahlergebnis einem der Kandidaten verpflichtet sind. Spitzenkandidat wird, wer die Mehrheit der Delegierten hinter sich bringt - also mindestens 2025. Das knappe Rennen zwischen Clinton und Obama macht es wahrscheinlich, dass keiner der beiden diese Hürde bereits in den Vorwahlen überspringt. Sieger ist in diesem Fall, wer genug "Superdelegierte" für sich gewinnt, um bei der Abstimmung die Mehrheit der Stimmen zu erhalten.

Entscheidung zwischen Freunden

Bislang haben nach einer Zählung der Internetseite realclearpolitics.com etwa 239 "Superdelegierte" ihre Präferenz für Clinton bekundet und 168 für Obama. Der Rest lässt seine Entscheidung bislang noch offen. Beide Seiten werben hinter den Kulissen heftig um diese Stimmen, der Druck auf die "Superdelegierten" wächst. Auch die Kandidaten selbst greifen zum Hörer und umwerben die Unentschlossenen. Der Senator von Maryland, Ben Cardin, scherzte im Sender MSNBC: "Bill Clinton ist ein Freund, Hillary Clinton ist eine Freundin, Barack Obama ist ein Freund, alle haben schon mit mir gesprochen." Entschieden hat sich Cardin trotz all der Freundlichkeiten noch nicht.

Hinter den Kulissen wird hart um die Stimmen gefeilscht, reine Freundlichkeit kann viele Delegierte nicht zu einem positiven Votum bewegen. Die Lager Clintons und Obamas beschuldigen sich inzwischen gegenseitig, dem jeweils anderen die "Superdelegierten" abspenstig zu machen. Kritisch dürfte es werden, wenn die "Superdelegierten" demjenigen Kandidaten zum Sieg verhelfen, der in der Zahl der gewählten Delegierten hinten liegt. Dies wäre zwar legal, würde aber den Eindruck erwecken, die Partei-Elite drehe das Votum der Basis um. Erdacht wurden die "Superdelegierten" im Jahr 1982 von der demokratischen Parteiführung. Sie wollte damit den Einfluss des Parteiestablishments auf den Nominierungsprozess sichern. Zu den bekanntesten "Superdelegierten" dürfte Bill Clinton zählen, als Ex-Präsident hat er automatisch Stimmrecht. (ae/AFP)

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