Politik : Historiker: Bau des Ehrenmals stoppen „Sakrale Überhöhung des Soldatentods“

Sven Lemkemeyer

Berlin - Gegen das geplante Ehrenmal der Bundeswehr auf dem Gelände des Verteidigungsministeriums regt sich Widerstand von Historikern. Nach Angaben des Berufsverbandes Ulmer Verein wollen mehr als 90 Historiker und Kunsthistoriker in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Franz Josef Jung (beide CDU) fordern, den für den Volkstrauertag (18. November) geplanten Baubeginn zu verschieben. Die Historiker werfen dem Entwurf des Münchner Architekten Andreas Meck eine „sakrale Überhöhung des Soldatentods“ vor und verlangen, das Projekt neu zu diskutieren, da ihrer Ansicht nach eine öffentliche Debatte kaum stattgefunden habe.

In dem Brief heißt es: „Eine Übernahme der Bildformeln des nationalen Totenkults, der Kriegerdenkmäler aus dem 19. und 20. Jahrhundert, halten wir für nicht akzeptabel. Wir lehnen jede sakrale Überhöhung des Soldatentods ab – besonders dann, wenn sie im Namen demokratischer Werte erfolgt.“ Dies geschehe aber nach Ansicht der Wissenschaftler durch den Meck-Entwurf, „der mit Raumschale, Cella und Steinaltar unverkennbar die Formen der ,Neuen Wache‘ übernimmt und damit die Heiligung und Belohnung des Soldatentods durch den Aufstieg zum Licht über dem Altar des Vaterlandes impliziert“.

Der Entwurf sieht eine rund acht mal vierzig Meter große Halle vor, die nach den Worten des Architekten mit „einem Kleid aus gestanzter Bronze“ umgeben ist. Ausstanzungen aus der Blechhülle in Form eines Halbkreises sollen an die runde, bronzene Erkennungsmarke von Soldaten, deren einer Teil im Fall ihres Todes zur Identifizierung abgebrochen wird, erinnern. In der Halle befindet sich ein schwarzer „Raum der Stille“ mit einem Gedenkstein, an dem Kränze niedergelegt werden können. Beim Verlassen des Raumes sollen Besucher einer goldenen Wand gegenüberstehen, die die Hoffnung symbolisieren soll. Die Inschrift des Ehrenmals soll lauten: „Den Toten unserer Bundeswehr. Für Frieden, Recht und Freiheit.“ Sven Lemkemeyer

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