Historischer Moment in England : „Ich erkläre Sie zu Mann und Mann“

Seit Samstag haben Homosexuelle in England und Wales das Recht, Ehen zu schließen. Bereits in den ersten Minuten machten Dutzende schwule und lesbische Paare davon Gebrauch.

Tim (L) küsst seinen Ehemann Richard.
Tim (L) küsst seinen Ehemann Richard.Foto: AFP

Die letzten Worte gingen im Jubel der Hochzeitsgesellschaft unter, dabei waren sie so entscheidend. „Hiermit erkläre ich Sie rechtmäßig zu Mann und Mann“, sagte Standesbeamtin Gina Wheeler am Samstag wenige Minuten nach Mitternacht im herrschaftlichen Council Chamber des Rathauses von Islington in London. Sie und vor allen Dingen Peter McGraith und David Cabreza schrieben damit Geschichte. Die beiden Männer sind eines der ersten homosexuellen Paare, die in England geheiratet haben.

„Das ist ein historischer Moment“, jubelte Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell. Seit 1992 hatte er mit seinen Mitstreitern für die Öffnung der Ehe gekämpft. 22 Jahre später sei der Bann endlich gebrochen. Seit dem 29. März haben Homosexuelle in England und Wales das gesetzlich verankerte Recht, Ehen zu schließen. Schottland will im Oktober nachziehen.
Um 0.23 Uhr verließen McCraith und Cabreza das Rathaus - beide in schwarzem Anzug, weißem Hemd, silberfarbener Fliege und mit einer roten Blüte am Revers. Als sie auf den Treppenstufen ihre Ehe-Urkunde präsentierten, wurden sie auch dort mit großem Applaus empfangen.

17 Jahre hatte das Paar darauf gewartet, heiraten zu können

Rund 500 Menschen hatten sich auf dem Vorplatz versammelt, darunter etwa 20 Kamerateams und Fotografen aus der ganzen Welt. Die Menge stimmte den traditionellen Hochzeitsmarsch („Hier kommt die Braut“) an und warf Reis.

17 Jahre hatte das Paar darauf gewartet, heiraten zu können. „Ich fühle mich privilegiert, geehrt, und ich bin sehr stolz“, sagte Cabreza überglücklich. McCraith meinte: „Für uns fühlt es sich im Moment an, wie eine tolle Party mit Familie und Freunden. Aber diese Hochzeit hat natürlich eine größere Bedeutung. Wir haben in diesem Land nun eine Qualität erreicht, aber in anderen Ländern gibt es noch eine Menge zu tun.“ Für sie sei ihre Hochzeit eigentlich etwas sehr Persönliches, aber sie hätten gemeinsam entschieden, in die Öffentlichkeit zu gehen, um ein Zeichen zu setzen.

Rund ein Dutzend schwule und lesbische Paare gaben sich schon in der ersten Nacht in mehreren Städten das Ja-Wort. „Ich bin glücklich für die Paare, die nun genau wie ihre Verwandten und Freunde endlich den Menschen heiraten können, den sie lieben“, sagte Tatchell. In Brighton - neben London die zweite Hochburg von Schwulen und Lesben in England - hatte die Verwaltung sogar dazu aufgerufen, sich mit einem Essay für die erste homosexuelle Eheschließung im Royal Pavillion zu bewerben.

Premier David Cameron schrieb in einem Artikel für „PinkNews“: „Das ist ein wichtiger Moment für unser Land. Wenn Liebe durch das Gesetz verhindert wird, muss das Gesetz geändert werden“. Seine Regierung hatte den Weg für die Eheschließung von Homosexuellen im vergangenen Jahr freigemacht - teils gegen heftigen Widerstand auch aus dem eigenen Lager. Auch in der Bevölkerung stieß sein Vorhaben nicht nur auf Gegenliebe. Einer aktuellen Umfrage der „BBC“ zufolge, würde jeder fünfte Engländer eine Einladung zu einer Homo-Hochzeit ausschlagen.

McCraith und Cabreza konnte das am Samstag nicht die Laune verderben. In einer schwarzen Limousine rauschte das Ehepaar zur Party nach Soho ab. Zuvor hatten sich die beiden auf den Treppenstufen des Rathauses auf Drängen der Schaulustigen in der Öffentlichkeit zögerlich geküsst - zunächst versteckten sie sich dabei hinter ihrer Urkunde. Die Ehe bietet in England und Wales nun auch Schwulen und Lesben Schutz. (dpa)

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