Historischer Telefonanruf : Bush sprach mit Gaddafi

Erstmals überhaupt telefonierte ein US-Präsident mit dem langjährigen libyschen Staatschef: George W. Bush und Muammar al-Gaddafi griffen zum Hörer und setzten so ein Zeichen für die verbesserten Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Gaddafi
Gaddafi zahlte eine hohe Entschädigung. -Foto: dpa

WashingtonWie ein Sprecher des Weißen Hauses, Gordon Johndroe, mitteilte, standen die jüngsten Entschädigungszahlungen Libyens für Terrorismusopfer im Mittelpunkt des Telefonats. Der "Washington Post" zufolge war es offenbar das erste Mal überhaupt, dass ein US-Präsident mit Gaddafi, der sein Land seit 1969 regiert, sprach. US-Außenministerin Condoleezza Rice wollte zudem am Dienstag in Washington mit dem Sohn des Staatschefs, Saif al-Islam Gaddafi, zusammentreffen. Er hält sich zu einem Privatbesuch in der Bundeshauptstadt auf.

1,5 Milliarden US-Dollar für Terrorattacken

Die USA hatten Anfang des Monats die Überweisung von 1,5 Milliarden Dollar (knapp 1,2 Milliarden Euro) aus Libyen in einen Fonds bestätigt, aus dem Betroffene von zwei Terrorattacken entschädigt werden sollen. Dabei geht es um den Anschlag auf eine PanAm-Maschine 1988 über Lockerbie und den auf eine Berliner Diskothek 1986.

Bush und Gaddafi hätten darüber gesprochen, dass die Vereinbarung über die Entschädigungen "dazu beitragen sollte, ein schmerzliches Kapitel in der Geschichte zwischen unseren beiden Ländern näher zu einem Abschluss zu bringen", sagte Johndroe.

Nachdem die USA Libyen lange Zeit als Terrorunterstützer eingestuft hatten, hatte sich das Verhältnis nach der libyschen Absage an den Terrorismus und den Verzicht auf Atomwaffen-Ambitionen 2003 zusehends gebessert. Im September war Condoleezza Rice nach Tripolis gereist - als ranghöchster Washingtoner Diplomat seit mehr als 50 Jahren. (sba/dpa)

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