Hitler-Vergleich : "Adolf Nazi - zack, damit ist alles gesagt"

Der Historiker Rudolf Rietzler über Helmut Schmidts Hitler-Vergleich und die vielen Namen für den "Führer".

Rietzler
Rudolf Rietzler ist Historiker und Journalist. -Foto: privat

Herr Rietzler, Helmut Schmidt hat bei einem Vergleich von Oskar Lafontaine und Adolf Hitler von „Adolf Nazi“ gesprochen – ist der Begriff die Erfindung des Altkanzlers?

Ich denke nicht, dass irgendjemand ein Copyright darauf hat. Es ist einer unter tausend Namen, die man für den deutschen Diktator gefunden hat. Meistens hat der „Führer“ Gänsefüße.

Woher stammt dann die Bezeichnung „Adolf Nazi“?

Der Name stammt wohl aus den mit harten Bandagen geführten politischen Auseinandersetzungen in der Weimarer Republik. Tucholsky hat schon 1922 von den „Nazis“ geschrieben. Es gab die „Sozis“ (Sozialdemokraten), es gab die „Kozis“ (Kommunisten) und es gab die von den Linken gehassten „Nazis“.

Wieso erhielt sich der Name nach dem Krieg?

Vor allem die aus Deutschland geflüchteten Sozialisten haben von den „Nazis“ geredet und den Ausdruck nach 1945 hier populär gemacht. Für viele war es Adolf Hitler nicht wert, beim vollen Namen genannt zu werden. Bertolt Brecht hat ihn den Herrn „Wieheißterdochgleich“ genannt. Golo Mann hat in seiner „Deutschen Geschichte“ vom „Herrn H.“ geschrieben.

Verringert sich nicht die Distanz zu einer Person, wenn man sie beim Vornamen nennt?

Für seine Anhänger war Adolf Hitler der „Führer“ – „Unser Führer“. Die, die ihm mit Ironie beikommen wollten, sprachen vom „USA“ – „Unser Seliger Adolf“. So etwas schwingt auch bei dem Begriff „Adolf Nazi“ mit. Und eine Portion Abscheu.

Benutzt Helmut Schmidt deshalb diese Bezeichnung?

Der Mann, den er so nennt, ist nicht satisfaktionsfähig. Da ist viel Distanz. Irgendwo außerhalb von allem, obwohl er doch einer seiner Vorgänger als Regierungschef der Deutschen war. Aber es passt zu Schmidt, der ja gerade zum weisen Dalai Lama aus Langenhorn mutiert und allen die Welt und die Geschichte erklärt. Beim „Adolf Nazi“ schwingt auch noch ein Rest von der linken „Schmidt-Schnauze“ aus den 50er Jahren mit.

Was sagt die Bezeichnung über Schmidt aus?

Er hat den Begriff praktisch zu einer Art Markenzeichen gemacht, wann immer in seinen tausendundeins Interviews von Hitler die Rede ist, nennt er ihn „Adolf Nazi“. Rudolf Augstein hat den Begriff manchmal auch verwendet, aber der hatte für das „Monster“ noch eine Menge anderer Bezeichnungen. Schmidt sagt „Adolf Nazi“ und nur „Adolf Nazi“. Zack, damit ist alles gesagt.

Rudolf Rietzler ist Historiker und Journalist. Im kommenden Jahr erscheint sein Buch „Mensch Adolf: Das Hitler-Bild der Deutschen seit 1945“.

Das Gespräch führte Felix Schirrmann.

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