Hitzacker : Polizei treibt Castor-Gegner von den Gleisen

Langsam nähert sich der Atommüll-Transport aus Frankreich seinem Ziel im niedersächsischen Gorleben. Nachdem Demonstranten den Zug schon in der Pfalz stundenlang blockiert hatten, greift die Polizei nun durch - und schreckt auch vor dem Einsatz von Schlagstöcken nicht zurück.

GorlebenWenige Stunden vor dem Eintreffen des Atommüll-Transports aus Frankreich in Niedersachsen hat die Polizei eine Gleisblockade bei Hitzacker geräumt. Mit Schlagstöcken trieb ein massives Polizeiaufgebot am Sonntagmorgen 500 Demonstranten auseinander, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Die Blockierer hätten sich in einen Wald zurückgezogen. "Es war eine sehr unübersichtliche Situation“, sagte der Sprecher weiter. Mehrere Feuer auf den Schienen seien mit Wasserwerfern gelöscht worden. Andere Protestgruppen kündigten an, erst auf die Gleise gehen zu wollen, wenn sich der Zug dem Wendland nähert.

Auf dem Weg nach Gorleben musste der Castor-Transport bereits in Frankreich stoppen, weil sich in der Südpfalz drei Demonstranten an Bahngleise gekettet hatten. Das sorgte für eine fast zwölfstündige Verspätung. Der Zug rollte dann am Sonntagmorgen über die Rheinbrücke bei Wörth nach Baden-Württemberg. Castor-Gegner haben für den Tagesverlauf weitere Blockaden im Wendland angekündigt.

In Wörth waren zuvor die französischen Lokomotiven des Zuges gegen deutsche ausgetauscht worden. Ziel des am Freitagabend in Frankreich gestarteten Atommüll-Transports ist das Zwischenlager Gorleben in Niedersachsen. Ursprünglich war der Zug am Samstag gegen 13.30 Uhr in Wörth erwartet worden. Drei Atomkraftgegner hatten sich jedoch in der Nähe der südpfälzischen Ortschaft Berg unweit der deutsch-französischen Grenze in unwegsamem Gelände an den Gleisen angekettet und damit für einen Dauerstopp des Zuges in der französischen Grenzstadt Lauterbourg gesorgt.

Im Betonblock festgekettet

Fachleute der Bundespolizei konnten die Demonstranten nur mit großem technischen Aufwand von den Ketten lösen. Nach Angaben von Atomkraftgegnern hatten die Demonstranten ihre Arme in einem Betonblock festgekettet, der im Gleisbett versteckt war. Wie der Beton in das Gleisbett gekommen war, konnte die Polizei zunächst nicht sagen. "Das muss vorbereitet gewesen sein", vermutete der Polizeisprecher. Die Demonstranten - zwei Männer und eine Frau - wurden nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei in Gewahrsam genommen. Zuvor seien sie ärztlich untersucht worden. Die Bundespolizisten hatten sie mit Folie gegen die Kälte geschützt.

Vier andere Demonstranten, die sich am Mittag ebenfalls an der Blockadestelle aufgehalten hatten, wurden zunächst von den Polizisten weggetragen und später auf freien Fuß gesetzt. In Gorleben waren nach Angaben der Polizei am Samstagnachmittag rund 14.500 Menschen zu einer Protestkundgebung zusammengekommen. Die Anti-Atom-Initiative "X-tausendmal quer" sprach von 16.000 Demonstranten. Der Ansturm sei so groß gewesen wie zuletzt 2001, hieß es.

Angeheizt wird der Protest durch den politischen Streit um längere Laufzeiten für Atomkraftwerke und wegen der Pannen in dem einsturzgefährdeten Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel. Der stark gesicherte Sonderzug transportiert mit elf Waggons 17 Tonnen strahlenden Atommüll aus der französischen Aufbereitungsanlage La Hague. Der radioaktive Abfall ist in mehr als 100 Tonnen Glas eingeschlossen. Dabei handelt es sich um Abfall aus der Bearbeitung genutzter Kernbrennstoffe aus deutschen Kraftwerken. (sf/dpa)

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