Politik : Hitzefrei

Cordula Eubel

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Deutschland erlebt den heißesten Sommer aller Zeiten. Das Thermometer klettert täglich über 30 Grad. Wunderbar! Da sollte man im Schwimmbad planschen, sich im Park sonnen, Freiluftpartys feiern. Wenn, ja wenn nicht die Arbeit wäre: Die Klimaanlage versagt, der Kreislauf auch. Die geringste Anstrengung provoziert Schweißausbrüche. Sehnsüchtig denken wir an früher zurück. Damals, in der Grundschule, da bekamen wir bei solchen Temperaturen noch hitzefrei. Oder zumindest von den Lehrern ein Eis ausgegeben.

Das muss der CDU-Chef aus Rheinland-Pfalz, Christoph Böhr, auch gedacht haben. „Chefs, habt ein Herz für Mitarbeiter! Die Stunden, die jetzt nur im Freibad zu ertragen sind, könnten in der kühleren Jahreszeit nachgeholt werden“, fordert Böhr in einer großen Boulevard-Zeitung. Eine prima Idee! Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht. Hält Böhr sich an die eigenen Vorschläge? Tatsächlich. Seine Sekretärin bestätigt: „Ich darf früher nach Hause gehen!“ Vorbildlich. Also Chefs, gebt euren Mitarbeitern doch bitte hitzefrei! Lasst sie in den Freibädern und Badeseen planschen.

Für Zweifler, die immer noch nicht vom Sinn einer Hitzefrei-Regelung überzeugt sind, holen wir uns Rat beim Arzt oder Apotheker: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung gibt pünktlich Tipps heraus, wie mit der Hitzewelle umzugehen ist. Die Ärzte raten, die Arbeitszeiten zu verschieben. Anstrengende Arbeiten im Freien sollten gemieden werden, in der Mittagszeit seien diese sogar tabu. Und: „Gönnen Sie sich in der Mittagszeit ein kurzes Nickerchen. Zehn bis 30 Minuten ist die ideale Länge“, heißt es. Machen wir. Gähn.

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