Politik : Hitzige Debatte nach Urteil zu Ehrenmord

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Berlin - Das Urteil im Prozess um den Mord an der Deutsch-Türkin Hatun Sürücü heizt die Integrationsdebatte an. Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) forderte verstärkte Bemühungen, um Ausländer einzubürgern. Wer sich einbürgern lasse, verlasse die Parallelgesellschaft. Er warf seiner Partei Versäumnisse in der Integrationspolitik vor. „Wir haben zu spät erkannt, dass wir de facto ein Einwanderungsland sind.“ Mit dieser „Realitätsverkennung“ seien in der Integrationspolitik „wichtige Jahre verloren“ gegangen.

Das Berliner Landgericht hatte am Donnerstag den Türken, der seine Schwester Hatun im Namen der Familienehre erschossen hat, zu neun Jahren und drei Monaten Jugendhaft verurteilt. Die Jugendhöchststrafe liegt bei zehn Jahren. Zwei mitangeklagte ältere Brüder wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Es blieb dem Gericht zufolge ungeklärt, ob die Familie den Entschluss zur Tötung gemeinschaftlich fasste.

Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) sagte, in Deutschland hätten jene Zuwanderer „nichts zu suchen“, die an strengen patriarchalischen Strukturen festhielten. CSU- Familienexperte Johannes Singhammer verlangte „null Toleranz“ bei Zwangsverheiratungen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) rief dazu auf, stärker auf Verwirklichung der Rechte muslimischer Frauen zu dringen. Zudem sei die Rolle der muslimischen Männer „eine ganz zentrale gesellschaftspolitische Frage und sollte auch ein Thema beim Integrationsgipfel werden“. Die Bildungs- und Kulturpolitik müsse Kindern, deren Familien zum Teil in dritter Generation in Deutschland leben, „Wege aus geschlossen wirkenden Parallelgesellschaften zeigen“. ddp/dpa

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