Politik : Hochrangiger russischer Militär von Tschetschenen verschleppt

Zum ersten Mal seit Beginn der russischen Offensive in Tschetschenien haben die Rebellen einen russischen General gefangen genommen. Das Innenministerium bestätigte am Donnerstag Berichte von Feldkommandanten, wonach der General Michail Malofejew am Mittwoch mit seiner Einheit in einen Hinterhalt geriet und gefangen genommen wurde. General Malofejew sei stellvertretender Leiter der nördlichen Armeegruppe, die für die Eroberung Grosnys eingesetzt wird, teilte das Moskauer Innenministerium mit. Über sein Schicksal sei nichts bekannt. "Einigen Berichten zufolge soll er tot sein", sagte ein Sprecher. Der tschetschenische Militärkommandeur Schamil Bassajew bestätigte die Gefangennahme. Der General sei an einem sicheren Ort und werde verhört, sagte er. Die russischen Truppen drangen in Grosny unterdessen nach eigenen Angaben bis zum zentralen Minutka-Platz vor, ohne ihn jedoch ganz unter ihre Kontrolle zu bringen. Von tschetschenischer Seite wurde dies dementiert. Bei schweren Gefechten wurden laut Interfax 23 Russen getötet.

Der Europarat will gegen Russland wegen seines Vorgehens im Tschetschenien-Krieg offenbar keine Sanktionen verhängen. Lord Russell-Johnston, der Leiter einer Delegation des Europarates, sprach sich am Donnerstag nach einem Besuch in der Kaukasusrepublik gegen eine Bestrafung Russlands aus. Er schlug vor, in der Nachbarrepublik Inguschetien eine internationale Vertretung einzurichten, die den Wahrheitsgehalt von Meldungen über angebliche russische Kriegsverbrechen überprüfen soll. Der russische Interimspräsident Putin habe erklärt, er sei offen für entsprechende Vorschläge.

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