Politik : Hochschule sucht Anschluss

Die deutsche Uni in Kairo könnte Schule machen – in Jordanien

Andrea Nüsse[Amman]

Wissenstransfer – das ist das Schlagwort zur „German University of Cairo“, die Kanzler Gerhard Schröder als erste deutsche Auslandsuniversität überhaupt am vergangenen Sonntag in Kairo eröffnete. Dass deutsches Know-how im Bildungsbereich dem arabischen Raum zugute kommt, soll dabei keineswegs ein Einzelfall bleiben: Auch in Jordanien wird über die Bildung einer Privatuniversität mit deutscher Hilfe nachgedacht.

Die „German University of Cairo", deren Lehrbetrieb von den Universitäten Ulm und Stuttgart beaufsichtigt wird, könnte eine Ergänzung oder gar Konkurrenz zur American University of Cairo (AUC) werden. Die AUC ist die wohl bekannteste Universität Ägyptens. Sie basiert auf dem amerikanischen Universitätsmodell. Die Schwesterinstitution in Beirut, die American University of Beirut (AUB), gilt als eine der besten Universitäten der arabischen Welt.

Zwar steht hinter der Gründung der deutschen Universität in Kairo keine konzertierte Aktion der Bundesregierung, sondern Privatinitiative: Träger ist eine Gruppe ägyptischer Akademiker und Geschäftsleute. Doch das Modell könnte Schule machen. In Jordanien will der in Deutschland ausgebildete Professor Marwan Mussa eine Privatuniversität gründen, die auf dem deutschen System basiert. Weiter fortgeschritten ist die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Jordanien zur Beratung einer Fachhochschule. Deutschland will hierzu das Know-how beisteuern, die Lehrer sollen Jordanier sein. Mit diesen Projekten könnte der Technologietransfer beschleunigt werden, an dem es in der arabischen Welt stark mangelt.

In dem Aufsehen erregenden ersten Entwicklungsbericht zur arabischen Welt hatte die UN-Organisation für Entwicklung (UNDP) im vergangenen Jahr festgestellt, dass die arabischen Länder dabei sind, den Anschluss an den Rest der Welt zu verlieren. Den Hauptgrund für diese negative Entwicklung sahen die arabischen Autoren des Berichts in dem Mangel an Freiheit, dem Ausschluss von Frauen aus dem Produktionsleben und dem Bildungsmangel, der sich insbesondere in mangelnder Kreativität ausdrückt. Jedes Jahr werden weniger Bücher ins Arabische übersetzt als in Griechische.

Allerdings warnte der UNDP-Entwicklungsbericht davor, dass allein der Ausbau der Infrastruktur für Telekommunikation das Problem der arabischen Welt nicht lösen kann: Solange es an englischen Sprachkenntnissen mangele und den Nutzern analytische Fähigkeiten zum Umgang mit der Fülle der Information fehlten, werde der „digitale Graben" zwischen der arabischen Welt und den fortgeschritteneren Nationen bestehen bleiben.

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