• Höchste Sicherheitsstufe beim Besuch des US-Präsidenten - die Anwohner dürfen nicht die Balkone betreten

Politik : Höchste Sicherheitsstufe beim Besuch des US-Präsidenten - die Anwohner dürfen nicht die Balkone betreten

Gerd Höhler

Mit einem riesigen Polizeiaufgebot, weiträumigen Absperrungen und drakonischen Sicherheitsmaßnahmen will die griechische Regierung dafür sorgen, dass der Besuch von US-Präsident Bill Clinton in Athen ohne Zwischenfälle verläuft.

Wenn Clintons Regierungsjumbo, die Air Force One, an diesem Freitagabend auf dem Athener Flughafen Ellinikon landet, wird niemand Gelegenheit haben, dem Präsidenten zuzujubeln. Zwei Stunden lang wird der Airport geschlossen, Dutzende von Flügen müssen ausfallen oder verlegt werden. In den Abflug- und Ankunftshallen wird gähnende Leere herrschen. Die Straßen, über die Clinton in seiner bereits am Mittwoch mit einem Galaxy-Transporter eingeflogenen kugelsicheren Limousine vom Flughafen zum Hotel Inter-Continental fährt, werden ebenfalls für den normalen Verkehr gesperrt. Geparkte Autos werden abgeschleppt. Den Anwohnern sei sogar verboten worden, ihre Balkone zu betreten, berichtete ein Athener Rundfunksender. Auch hier also keine Chance, zu winken oder Fähnchen zu schwenken.

Aber danach ist den allermeisten Griechen sowieso nicht zumute. Über 80 Prozent, so die jüngste Umfrage, haben eine negative Meinung von Clinton, nahezu 70 Prozent meinen, der Präsident solle gar nicht erst nach Griechenland kommen. Dieser Wunsch wäre fast in Erfüllung gegangen. Ursprünglich war die Visite bereits für das vergangene Wochenende geplant. Doch Griechen und Amerikaner konnten sich nicht über die Sicherheitsmaßnahmen einigen. Ministerpräsident Kostas Simitis wollte Demonstrationen vor der US-Botschaft zulassen. Er scheute die Kraftprobe mit den linken Oppositionsparteien. Washington drohte daraufhin mit einer Absage des Staatsbesuchs. Man einigte sich schließlich auf eine Verschiebung. Statt ursprünglich geplanter drei Tage wird Clinton nun nicht einmal 24 Stunden bleiben.

Demonstranten soll er nicht zu Gesicht bekommen. Auf Weisung der Regierung ließ der Athener Polizeichef jetzt alle geplanten Proteste im weiten Umkreis der US-Botschaft, des Hotels Inter-Continental und der anderen Aufenthaltsorte des Präsidenten verbieten. 7000 Polizisten sollen die Demonstranten in Schach halten.

Eine Generalprobe gab es bereits am Mittwochabend. Da zogen etwa 15 000 Menschen zur Athener US-Botschaft, um des 17. November 1973 zu gedenken, als die von den USA gestützte griechische Obristenjunta eine Studentenrevolte am Athener Polytechnikum blutig niederschlagen ließ. Die Demonstranten skandierten Sprechchöre wie "Der Schlächter kommt", "Amerikaner - Völkermörder" und "Clinton raus". Manche schwenkten US-Sternenbanner, die mit Hakenkreuzen beschmiert waren. Der Protestmarsch verlief, wohl auch dank des massiven Polizeiaufgebots, ohne Zwischenfälle.

Aber die Lage bleibt angespannt. Die orthodoxen griechischen Kommunisten und andere Linksgruppen wollen das Demonstrationsverbot vor der US-Botschaft ignorieren. Damit könnten Zusammenstöße mit der Polizei programmiert sein. Ministerpräsident Simitis appellierte an seine Landsleute, dem Besucher "gute Gastfreundschaft" entgegenzubringen und die "Würde des Landes" zu wahren. Die Verlegung des Clinton-Besuchs war für ihn peinlich genug.

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