Politik : Höchste Strafe des Haager Tribunals für Goran Jelisic

Die Richter ahndeten mit dem Urteil die Verbrechen des serbischen Aufsehers im Lager Luka in Nordbosnien im Mai 1992

Der ehemalige serbische Lageraufseher Goran Jelisic ist am Dienstag in Den Haag vom UN- Kriegsverbrechertribunal wegen Verbrechen im Bosnienkonflikt zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Es ist die höchste Freiheitsstrafe, die das Gericht seit seiner Gründung 1993 verhängt hat. Die Richter ahndeten mit dem Urteil die Ermordung von mindestens 13 bosnischen Moslems und schwere Misshandlungen von Moslems und Kroaten im Lager Luka in Nordbosnien im Mai 1992.

Jelisic habe sich "widerwärtig, bestialisch und sadistisch" aufgeführt, warf ihm die Strafkammer vor. "Ihre Verbrechen erschüttern das Gewissen der Menschheit", sagte der Vorsitzende zu dem äußerlich unbewegt erscheinenden Angeklagten. Jelisic habe seine Opfer verhöhnt und seine unmenschlichen Taten mit sichtlicher Begeisterung begangen. Deshalb fielen mildernde Umstände wie sein junges Lebensalter und sein Schuldbekenntnis weniger ins Gewicht.

Schon im Oktober war Jelisic der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und schwerer Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht schuldig gesprochen worden. Vom Vorwurf des Völkermords hatte ihn das Gericht damals freigesprochen. Mit diesem Freispruch werde nicht festgestellt, dass es damals in der Region keinen Völkermord gegeben habe, erläuterte Richter Claude Jorda am Dienstag. Die Beweise für eine Verurteilung von Jelsic hätten nur nicht ausgereicht, sagte der Kammervorsitzende und neue Präsident des Tribunals. Die Anklage hatte lebenslang für Jelisic gefordert.

Der damals 23-jährige Landwirtschaftsmechaniker war nach Beginn der serbischen Feindseligkeiten im April 1992 in der Stadt Brcko in Nordbosnien schnell in eine Machtposition gegenüber Moslems und Kroaten gelangt. In der Stadt und später im Lager Luka übte er in Polizeiuniform ein Schreckensregiment aus. Nach Verhören in Brcko exekutierte Jelisic nach Feststellung des Gerichts willkürlich Gefangene in einer Seitenstraße durch Schüsse in den Hinterkopf. Die Leichen wurden in einen Fluss geworfen oder später in Massengräber verscharrt. Einem Opfer schnitt er das Ohr ab, bevor er den Mann umbrachte.

Nach Zeugenaussagen soll er sich gebrüstet haben, dass er "vor dem Frühstück 20 bis 30 Moslems" umzubringen pflege. Nach Ansicht der Anklage hat Jelisic mehr als 100 Menschen ermordet, sowie andere misshandelt und bestohlen.

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