Höffner : Berliner kämpft um Möbelhaus in Hamburg

Der Chef der Höffner-Kette verspricht 500 Arbeitsplätze und verweist auf angebliche Zusagen der CDU. Kurt Krieger befürchtet allerdings die Ablehung seinen Projekts durch GAL.

Dieter Hanisch[Hamburg]

Mit einem „Ehrenwort“ hat der Berliner Unternehmer Kurt Krieger in Hamburg für seinen Plan geworben, in der Hansestadt ein 83 000 Quadratmeter großes Möbelhaus zu errichten. Bei einer selbst initiierten Informationsveranstaltung in einer Hamburger Schule versicherte der Chef der Höffner-Kette vor rund 220 Zuhörern, dass sein Projekt ebenso umwelt- wie bürgerfreundlich bleiben werde. Der 60-Jährige muss mit einem Nein zu seinem Bauantrag vom August 2007 rechnen, nachdem sich neben SPD und Linkspartei auch die inzwischen mitregierende GAL auf die Seite der skeptischen Anwohner im Stadtteil Eidelstedt geschlagen hat.

Ähnlich wie Vattenfall im Fall des umstrittenen Kohlekraftwerksprojektes Moorburg verweist Krieger darauf, dass er Zusagen aus dem vor der Februar-Wahl allein regierenden CDU-Senat erhalten habe. Eine Nachfrage der SPD zu vorhandenen Zusagen wurde vom Senat jedoch verneint. Die Union möchte dem Unternehmer zwar keine Steine in den Weg legen, doch mittlerweile entscheidet Schwarz-Grün gemeinsam. Und nachdem die CDU der GAL bereits „Kröten“ in Sachen Moorburg und Elbvertiefung abgerungen hat, fürchtet Krieger nun, zum Opfer der seit Mai regierenden Koalition zu werden.

Weil das aus Kriegers Sicht nicht sein darf, will der Berliner Unternehmer die Hansestadt bei einer Ablehnung seines Projekts verklagen. Er hat Grundstücke erworben, dort beheimatete Anwohner umgesiedelt, Gutachter, Architekten und Juristen beauftragt und für all das nach eigenen Angaben bereits rund 30 Millionen Euro investiert. Schließlich, so sagt er, habe ihm die Wirtschaftsbehörde für seinen Ansiedelungswunsch just das jetzt so umstrittene Areal am Schnittpunkt der Autobahnen A 7 und A 23 als einzig möglichen Standort genannt.

In seiner Not setzt der Alt-68er („Ich war auch auf der Straße, als Benno Ohnesorg erschossen wurde“) auf Versprechungen. Er werde 500 Vollzeitarbeitsplätze schaffen, kündigte Krieger in seinem „Ehrenwort“ an. Außerdem werde er keinen Betonklotz auf die bislang als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesene Fläche stellen, ökologiefreundlich zu bauen, dem örtlichen Einzelhandel nicht mit Randsortimenten das Leben schwer machen und mit seinem Möbelhaus täglich nur rund 40 Lkw-Lieferfahrten sowie durchschnittlich 260 Besucherfahrzeuge mehr in die angrenzende zweispurige Durchfahrtsstraße ziehen.

Die Anwohner zweifeln an Kriegers Aussagen. In öffentlichen Gutachten wird die zehnfache Zahl zusätzlicher Fahrzeuge genannt, und der Chef der Höffner-Kette selbst will seinen Kunden eine Stellfläche für 1100 Pkw vorhalten. Dass Kriegers Ausführungen an diesem Abend laut beklatscht wurden, könnte auch damit zusammengehangen haben, dass an diesem Abend etliche Unterstützer aus Berlin im Publikum saßen.

Über zwei Stunden ist an der Leinwand das Höffner-Logo und der Slogan „Eidelstedt wird gemütlicher“ zu lesen. Die Ortsansässigen, die sich bei der Veranstaltung zu Wort melden, befürchten jedoch einen Wertverlust ihrer Immobilien. Eine Bürgerinitiative will am Samstag deshalb mit einem Sarg durch den Stadtteil ziehen, um „Höffi“, wie Krieger selbst sein Unternehmen liebevoll nennt, zu Grabe zu tragen.

Krieger wartet nun auf eine Reaktion der Hamburger GAL-Umweltsenatorin Anja Hajduk in der nächsten Woche. Bislang wird nicht damit gerechnet, dass die Behörde vor Ende November eine Entscheidung trifft. Wie bedeutsam die Ansiedlung für die Senatspolitik ist, zeigt der Umstand, dass der bisherige Staatsrat in der Wirtschaftsbehörde, Gunther Bonk, wegen der Veröffentlichung eines Aktenvermerkes aus den Koalitionsgesprächen zu dieser Angelegenheit vom Hamburger Regierungschef Ole von Beust (CDU) Ende August entlassen wurde.

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