Politik : Höher, schneller, ehrlicher?

Von Robert Ide

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Die Fackel mit der hellen Flamme, die Medaillen mit dem goldenen Glanz, die Sieger mit dem seligen Lächeln – das sind Bilder, die uns von dieser Woche an begeistern sollen. Es sind einfache, in aller Welt verständliche Symbole für das Sportspektakel, das am Freitag zurückkehrt ins antike Europa. Olympia in Griechenland wird ein Fest voller historischer, auch pathetischer Symbole. Doch wichtiger für das bleibende Bild von Athen 2004 wird die Fähigkeit von Olympia, sich selbst neu zu erfinden.

Für die Griechen zählt nur eines: Wir können es. Otto Rehhagel, Erfolgstrainer eines Fußballteams, dem niemand etwas zugetraut hatte, lief am Wochenende mit dem olympischen Feuer über die modernste Hängebrücke der Welt; ein Bauwerk, das den Griechen niemand zugetraut hatte. Olympia im Chaos? Hindernisrennen über Baustellen? Dieses Image von Athen hat sich, wenn auch erst kurz vor dem Ziel, als Zerrbild herausgestellt. Inzwischen sind Sportstätten und Athletendorf fertig, und bis auf das nicht überdachte Schwimmstadion und ein paar fehlende Bäume auf dem Olympiagelände haben die Griechen gute Voraussetzungen geschaffen. Athen will sich nun als moderne Metropole präsentieren, nicht mehr als Chaosstadt mit Tempelfassade. Barcelona hat sich 1992 mit Olympia ein neues Image als Kulturstadt gegeben, Sydney vor vier Jahren als Zentrum der Moderne. Symbole waren Bauwerke, etwa in Australien der Superdome mit dem geschwungenen Solardach. Die Botschaft der Gastgeber: Wir können anders, als ihr gedacht habt.

Der organisierte Sport will im Grunde das Gleiche schaffen. Wenige Tage vor der Eröffnungsfeier erschüttert ein Korruptionsskandal das Internationale Olympische Komitee (IOC), in Amerika findet die größte Dopingdebatte der US-Geschichte statt. Nimmt der Sport Schaden? Droht ein Fiasko wie bei den Winterspielen der Bestechung in Salt Lake City? Nein. Diesmal setzt das IOC Zeichen des Wandels. Der weißrussische Sportminister darf nicht nach Athen reisen, weil er in seiner Heimat foltern ließ, ein bulgarisches IOC-Mitglied muss sein Amt niederlegen, weil es sich offenbar bei der Vergabe der Spiele 2012 bestechen lassen wollte. Der neue IOC-Präsident Jacques Rogge gibt den Aufräumer. Der Arzt, der 2001 den vom Mantel der Korruption umwehten Juan Antonio Samaranch ablöste und seitdem mit chirurgischer Präzision dessen alte Machtgeflechte zerstört, nutzt die Aufmerksamkeit vor den Spielen, um dem IOC ein neues Image zu geben. Athen soll Symbol für mehr Transparenz werden.

Wie mühsam der Weg der inneren Erneuerung von Olympia ist, zeigt der Kampf gegen das Doping. Ein verbindlicher Kodex, nach dem alle des Betrugs überführten Sportler für zwei Jahre gesperrt werden, konnte nur mit Ausnahmen durchgesetzt werden. Und die Serie der Enthüllungen über Athleten, die wie die türkische Läuferin Süreyya Ayhan bei den Kontrollen tricksen und täuschen, reißt nicht ab. Die Erschütterungen zeigen aber auch: Der Druck auf jene, die dem Sport schaden, wird erhöht.

Die Fackel mit der hellen Flamme, die Medaillen mit dem goldenen Glanz, die Sieger mit dem seligen Lächeln – das alles wird uns in Athen sicher begeistern. Für die griechischen Gastgeber und das IOC ist etwas anderes entscheidend. Olympia ist ihre Geschäftsgrundlage für die Zukunft. Saubere und sichere Spiele, überraschend gut organisiert, können die Botschaft von Athen 2004 werden. Am Freitag geht’s los.

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