Politik : Höhn: Horrormärchen über Dioxin-Eier

NRW-Umweltministerin vermutet Käfiglobby hinter Meldungen über Gifte in der Freilandhaltung

Nina C. Zimmermann

Berlin - Berichte in der vergangenen Woche über zu hohe Dioxin-Belastungen von Freilandeiern sind offenbar auf nur einen einzigen Fall zurückzuführen. Als „merkwürdig“ bezeichnete es zudem der Sprecher des Potsdamer Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade, gegenüber dem Tagesspiegel, dass entsprechende Meldungen kurz vor Beginn der Grünen Woche bekannt wurden. Ähnlich äußerte sich auch die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Bärbel Höhn (Grüne). Sie ist zurzeit Vorsitzende der Agrarministerkonferenz der Länder.

Höhn wies Meldungen, wonach 30 Prozent der Eier zu stark belastet seien, als „Horrormärchen“ zurück. Die Dioxin-Anteile in Lebensmitteln seien seit zehn bis 15 Jahren rückläufig. Weder die Schwerpunkt-Untersuchungen in NordrheinWestfalen in den vergangenen zwei Jahren noch andere bundesweite Tests rechtfertigten solche Berichte. Lediglich Baden-Württemberg habe eine Überschreitung gemeldet, sagte Höhn. Allerdings seien dort nur sehr kleine Betriebe wohl von Hobbyhaltern mit „schwieriger Bodensituation“ und „älteren Tieren“ untersucht worden. „Davon geht eine höhere Belastung aus“, sagte sie dem Tagesspiegel. Bei Untersuchungen von 48 Hühnereiern aus verschiedenen Haltungsformen sei 2004 in Nordrhein-Westfalen festgestellt worden, dass in allen Proben – auch denen aus Käfighaltung – wie vermutet, Spuren von Dioxin enthalten sind.

Dioxine entstehen bei der industriellen Verbrennung oder gelangen als Verunreinigung von Chemikalien in die Umwelt. Da sich das krebserregende Gift, das sich bei Mensch und Tier im Fettgewebe anreichert, über lange Zeit im Boden ablagert, kann die Ursache für eine heutige Bodenbelastung laut Bundesumweltministerium bereits 20 bis 30 Jahre zurückliegen.

Nach den jüngsten Berichten über die Dioxinwerte war ein Streit über artgerechte Hühnerhaltung entbrannt. In Deutschland soll die Käfighaltung ab 2007 verboten werden. Höhn sagte, sie sei „sehr sicher“, dass hinter der Debatte die „Interessen der Käfighalter stecken, die für die Käfighaltung werben wollen“. Bauernpräsident Gerd Sonnleitner hatte zuvor argumentiert, wer Käfige und Kleinvolieren ablehne, nehme in Kauf, dass die Eierproduktion ins Ausland abwandere und die Hühner unter schlechteren Bedingungen gehalten würden.

Dennoch sind mehrere Bundesländer entschlossen, ihre Kontrollen zu verstärken. So will Baden-Württemberg der „Bild am Sonntag“ zufolge über die regulären Tests hinaus 400 Eier aus Freilandbetrieben auf Dioxin untersuchen. Niedersachsen will 1000 Eier mehr als im Vorjahr prüfen. Brandenburg hat laut Ministeriumssprecher Schade vorige Woche begonnen, landesweit 200 Eier einzusammeln. Noch stünden die Untersuchungsergebnisse aus, aber mit überhöhten Werten rechne er nicht, sagte Schade. „Wir machen schon seit 1994 Dioxinproben und hatten bislang keine auffälligen Werte.“

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