Politik : Hoffen auf baldige Lösung des Kurdenkonflikts

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Mit erhobener Faust: Hunderte kurdische Anhänger von Abdullah Öcalan protestieren im libanesischen Beirut gegen die Inhaftierung des PKK-Chefs und die „Willkür“ der Türkei. Foto: dpa
Mit erhobener Faust: Hunderte kurdische Anhänger von Abdullah Öcalan protestieren im libanesischen Beirut gegen die Inhaftierung...Foto: dpa

Istanbul - Vor dem Besuch hochrangiger Kurdenpolitiker beim inhaftierten PKKChef Abdullah Öcalan an diesem Samstag wächst in der Türkei die Hoffnung auf ein Ende des seit fast 30 Jahren anhaltenden Kurdenkonfliktes. Der Frieden sei nah, sagte Selahattin Demirtas, Chef der legalen Kurdenpartei BDP. Auch der für die Kurdenfrage zuständige Vize-Regierungschef Besir Atalay erklärte, man sei mit Blick auf eine Lösung zuversichtlich. Viele Beobachter rechnen mit einem Aufruf Öcalans an seine PKK-Rebellen, die Waffen ruhen zu lassen.

Seit seinem Gerichtsverfahren 1999 ist Öcalan nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen worden. Nach Presseberichten liest der auf der abgeriegelten Gefängnisinsel Imrali bei Istanbul inhaftierte PKK-Chef viel und lebt sparsam: Gerade einmal 4,20 Euro gebe er am Tag in der Gefängniskantine aus. Der markante Schnurrbart des Rebellenchefs färbe sich allmählich grau, sagte Öcalans Bruder Mehmet nach einem Besuch im November.

Obwohl der heute 64-jährige PKK-Führer seit fast anderthalb Jahrzehnten von der Bildfläche verschwunden ist, bleibt sein Einfluss auf die kurdische Szene ungebrochen groß. Seit Dezember versucht die Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan deshalb, mithilfe von Verhandlungen Öcalans Macht für einen Friedensprozess einzuspannen.

Erdogans Regierung habe erkannt, dass Öcalan „die richtige Adresse“ sei, sagt Oguz Ender Birinci, Politikchef der kurdischen Zeitung „Özgür Gündem“. Er rechne für Samstag mit einer zweifachen Botschaft des PKK-Chefs, die sich an die Rebellen, aber auch an den türkischen Staat wenden werde. So wird Öcalan laut Birinci möglicherweise tatsächlich eine Waffenruhe ausrufen – unter der Bedingung, dass der türkische Staat auf die Kurden zugeht, indem er mehrere hundert inhaftierte Aktivisten freilässt.

Eine Erfolgsgarantie bei den Verhandlungen gibt es allerdings nicht. Die PKK hat schon klargestellt, dass sie sich einen Gewaltverzicht allenfalls am Ende der Gespräche vorstellen kann. Seit 1984 sind dem Konflikt mehr als 40 000 Menschen zum Opfer gefallen. Thomas Seibert

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