Politik : Hoffen auf den Chefstrategen

Die letzte Wahl für Bush und seinen Berater Rove

Christoph von Marschall

Washington - Er ist der Magier, der Amerikas Demokraten bis zur letzten Minute zittern lässt. Er ist der Mann, der ihnen einen sicher geglaubten Sieg noch nehmen kann – so wie 2004 die Präsidentenwahl, in Ohio. Ende Oktober hatten seinerzeit viele den Demokraten John F. Kerry schon als nächsten Herrn im Weißen Haus gefeiert. Die Demokraten zogen Geld für Wahlkampf und TV-Werbung aus Ohio ab, um sich auf andere Bundesstaaten zu werfen, die als umkämpfter galten. Bush gewann, Ohio gab den Ausschlag. Karl Rove, Bushs Politstratege, hatte Kompanien Freiwilliger in den Midwest-Staat geschickt. Sie zogen von Haus zu Haus und führten Millionen Telefonate, um Sympathisanten der Republikaner an die Urnen zu holen.

Seither ist Rove „Karl der Große“. Und solche Begriffe wie „October Surprise“, die Überraschung kurz vor der Wahl, „72 Stunden“, die Mobilisierung in den letzten drei Tagen, werden ehrfürchtig mit seinem Namen verbunden. 2006 war seine letzte große Schlacht für Bush, der wird nie wieder antreten und hat in den letzten zwei Jahren seiner Präsidentschaft keine Kongresswahl mehr vor sich. Wenn heute das Ergebnis feststeht, wird Roves Image sich noch einmal verändert haben. Entweder nehmen die Demokraten Bush die Mehrheit im Abgeordnetenhaus, dann wird auch Rove wieder als Sterblicher gelten. Oder aber, falls seine Strategie den Republikanern den Erfolg sichert – gegen alle Umfragen –, steigt er vom „Gold-“ in den „Platin-Himmel“ aller Wahlkämpfer auf.

Der stets lächelnde 55-Jährige mit dem lichten weißen Haar, der großflächigen Brille im runden Gesicht und dem Bauchansatz scheint keine Überzeugungen zu kennen. Erlaubt ist, was Erfolg hat, der Zweck heiligt die Mittel. Er ist genial, gemein und rücksichtslos. Über einen Slogan wie „Versöhnen statt Spalten“ kann er nur lachen. Er betreibt das Gegenteil. Hauptsache, am Ende steht eine Mehrheit, und sei sie noch so knapp. In den letzten 72 Stunden 2006 zeichnete er dieses Bild von den Demokraten: eine Hilfstruppe bin Ladens. Sie wollen aus dem Irak flüchten, wir wollen dort siegen. Wenn die Demokraten die Wahl gewinnen, siegen die Terroristen.

Rove hat ein Gespür, wie er die Bürgerlichen und Konservativen im Mittleren Westen und im Süden der USA erreicht. Deren Zahl und politisches Gewicht wächst durch die Binnenmigration, während die Bedeutung der liberalen und demokratischen Hochburgen im Nordosten der USA allmählich abnimmt. Er ist in Colorado, Nevada und Utah aufgewachsen, als zweites von fünf Kindern. Der Vater verließ die Familie, weil er homosexuell war. Bush begegnete Rove 1973. Kurz zuvor hatte die „Washington Post“ Rove schmutzige Wahlkampftricks für die Republikaner vorgeworfen. Aber bisher hat Rove noch jede Wahl für Bush gewonnen.

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