Politik : Hoffnung auf Befreiung einer Geisel

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Rebellen erwägen die Freilassung der kranken Deutschen Renate Wallert

Im Geiseldrama auf den Philippinen hat die dortige Regierung am Montag ihren Verhandlungsführer Nur Misuari abgelöst und durch einen moslemischen Geistlichen ersetzt. Misuari sagte vor Journalisten, Präsident Joseph Estrada habe den anerkannten religiösen Führer Ghazali Ibrahim von der philippinischen Insel Mindanao zum neuen Chefvermittler ernannt. Vor der Ablösung Misuaris hatte es offenbar ein Zerwürfnis zwischen ihm und Präsident Joseph Estrada gegeben, der am Sonntag Stärke demonstriert und eine militärische Lösung nicht ausgeschlossen hatte. Der EU-Koordinator für Außenpolitik, Javier Solana, wird zu Gesprächen über die Geiselnahme auf den Philippinen erwartet.

Unterdessen ließen die Abu-Sayyaf-Kämpfer auf Jolo einen ebenfalls entführten Philippiner frei. Der Mann, der zeitweise gemeinsam mit den 21 Geiseln festgehalten wurde, kam nach eigenen Angaben nach der Zahlung eines Lösegeldes frei.

Ibrahim soll nun die Verhandlungen mit der moslemischen Rebellengruppe Abu Sayyaf führen. Diese hält seit dem 23. April 21 Geiseln fest, darunter auch drei Mitglieder der Familie Wallert aus Göttingen. Renate Wallerts Gesundheitszustand hatte sich in den letzten Tagen offenbar dramatisch verschlechtert. Die Entführer erwägen unterdessen offenbar die Freilassung der erkrankten Deutschen. "Sie denken darüber nach", sagte ein Regierungsunterhändler am Montag in Jolo. Das Mitglied des Krisenstabes der philippinischen Regierung, Istino Jairi Ayyobe, sagte, am Montagmorgen habe ein Vermittler einen Rebellenführer getroffen und um die Freilassung Frau Wallerts aus gesundheitlichen Gründen gebeten.

Unklarheit herrschte darüber, wie ernst die Erkrankung von Renate Wallert ist. Die philippinische Ärztin Huda Lim, die die Geiseln am Wochenende besucht hatte, sagte, keine der Gefangenen sei schwer krank. Ihren Vorschlag, Frau Wallert aus humanitären Gründen freizulassen, hätten die Entführer abgelehnt. "Ihr Blutdruck und ihr Puls waren okay", sagte die Ärztin weiter. Auch der Gesundheitszustand der anderen 20 Geiseln sei nicht ernst. Allerdings sei Renate Wallert sehr schwach, da sie nicht esse und trinke. Ihr habe intravenös Flüssigkeit zugeführt werden müssen. Der ebenfalls entführte Sohn von Frau Wallert drängte dagegen in einem dramatischen Brief auf ihreFreilassung. Marc Wallert schrieb, seiner Mutter Renate gehe es so schlecht, dass er und sein Vater sie auf einer Bahre selbst heraustragen wollten - "auch auf die Gefahr hin, erschossen zu werden". Frau Wallert habe mehrere Herzanfälle erlitten. Zwei französische Geiseln erklärten: "Wir leben wie Tiere im Dreck unter den Bäumen." Auf letzten Videoaufnahmen war Frau Wallert am Boden liegend zu sehen. Einige Geiseln gaben ihr aus einem Plastikkanister Wasser zu trinken und stützten dabei ihren Kopf.

Die internationale Gemeinschaft setzt unterdessen Hoffnungen auf die Reise Solanas in das Krisengebiet. Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte, er hoffe, dass Solana die Möglichkeit bekomme, sich einzuschalten. Aus EU-Kreisen verlautete, Solana habe einen Termin beim philippinischen Präsidenten Joseph Estrada erhalten, um über die Situation im Geiseldrama zu sprechen. Estrada hatte auf Solanas Entsendung zunächst skeptisch reagiert, weil er dahinter den Versuch einer internationalen Vermittlung sieht, den die Philippinen ablehnen. Estrada appellierte am Montag an die Entführer, das Leben der Geiseln zu schonen und die Lieferung von Nahrungsmitteln und Medikamenten zuzulassen. Die Regierung unternehme alles, um zu einer raschen Lösung des Konflikts zu gelangen.Weitere Informationen im Internet



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