Politik : Hoffnung auf Neuanfang in Simbabwe Mugabe und Tsvangirai teilen die Macht

Johannesburg/Harare - Etwas unbeholfen versuchte der künftige simbabwische Regierungschef Morgan Tsvangirai den ersten öffentlichen Schulterschluss mit dem Mann, der einst seine Anhänger verfolgen, prügeln und auch umbringen ließ. Nach der Unterzeichnung des historischen Ankommens zur Machtteilung wirkte sein Lächeln noch etwas aufgesetzt. Auch der 84-jährige Präsident Robert Mugabe erschien sichtlich verunsichert, als er am Montag seinem einstigen Erzfeind vor 3000 geladenen Gästen im Konferenzzentrum der Hauptstadt Harare unter lautem Beifall die Hand schüttelte.

Nach mehr als einem Jahrzehnt der erbitterten Gegnerschaft setzten Mugabe und Tsvangirai ihre Unterschrift unter das Abkommen über eine Koalitionsregierung. Damit gibt der seit 28 Jahren zunehmend autokratischer regierende, frühere Rebellenführer Mugabe einen Teil seiner Macht an den Chef der Bewegung für Demokratischen Wandel (MDC) ab. Als Staats- und Regierungschef unterschiedlicher politischer Couleur wollen sie das afrikanische Land künftig gemeinsam regieren.

Mit unbewegtem Gesicht unterzeichnete Tsvangirai das Abkommen, das ihn nach Jahren der Schikane, der physischen Attacken und Repression nun in den Regierungssessel bringt. Erstmals seit Gründung seiner MDC im Jahr 1999 wird er mit an den Hebeln der Macht sitzen. In einer leidenschaftlichen Rede erklärte Mugabe an die Adresse seines neuen Ministerpräsidenten gerichtet: „Sie kommen ohne Erfahrung in die Regierung – wir können Ihnen unsere Erfahrung anbieten. Wir bringen eine Menge davon ein.“

Nach zehnjähriger Dauerkrise ergibt sich damit wieder eine Perspektive für Millionen verzweifelter Simbabwer, die unter Massenarmut, Hunger und Hyperinflation stöhnen. Doch Kritiker warnen vor allzu viel Optimismus. Das Abkommen sei nicht mehr als ein erster Schritt. Mugabe habe weiter einen Großteil der Macht in den Händen, heißt es.

Für das Ausland tut sich jedoch eine Zwickmühle auf: Hilft es Tsvangirai nicht tatkräftig beim Neustart mit finanzieller Hilfe, bleibt der absehbare Misserfolg an ihm haften. Auf der anderen Seite drohen Hilfsgelder in den Koffern der Mugabe-Vertrauten zu verschwinden. Die Reaktionen in der Konferenzhalle machten deutlich, dass Simbabwe nach wie vor tief gespalten ist. In den Beifall für Tsvangirai mischten sich bei dessen Ankunft durchaus auch Buh-Rufe.

Unterdessen will die neue Führung Simbabwes Großbritannien mit Entschädigungszahlungen für die Enteignungen von Landbesitzern während der Kolonialzeit in die Pflicht nehmen. Laut Abkommen über die Machtteilung, dass Mugabe, Tvangirai und der Chef einer Splittergruppe, Arthur Mutambara, am Montag unterzeichneten, soll Großbritannien „die Hauptverantwortung“ für die Finanzierung der Landreform übernehmen. Dabei sollen enteignete Landbesitzer Entschädigung erhalten, außerdem sollen neue Farmen unterstützt werden. Die frühere Regierung von Simbabwe hatte Großbritannien vorgeworfen, sich um die Einhaltung eines Abkommens von 1979 zu drücken. dpa/AFP

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