Politik : Hoffnung für 33 Millionen Infizierte weltweit

Internationale Aids-Konferenz in Mexiko fordert von den reichen Staaten, den Zugang zu Medikamenten zu verbessern

Hannes Heine

Mexiko-Stadt/Berlin - Mehr als 33 Millionen Menschen sind weltweit mit dem HI-Virus infiziert, 22 000 Experten diskutieren seit Montag in Mexikos Hauptstadt, was dagegen zu tun ist. Begonnen hat die 17. Aids-Konferenz in Mexiko-Stadt mit eindringlichen Appellen: Im Kampf gegen Aids „können und müssen wir besser werden“, sagte der Präsident der Internationalen Aids-Gesellschaft, Pedro Cahn, vor Medizinern, Betroffenen und Politikern.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte die reichen Staaten auf, bis 2010 für alle HIV-Infizierten einen Zugang zu Medikamenten zu ermöglichen. Denn trotz großer Fortschritte könne dieses Ziel nicht eingehalten werden, befürchtet etwa die Aids-Gesellschaft. „Jeden Tag gibt es fast drei Mal mehr Menschen, die sich neu infizieren, als Menschen, die eine Therapie mit antiretroviralen Medikamenten beginnen“, sagte der Chef des UN-Programms UNAIDS, Peter Piot. Auch die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ warnte in Berlin vor der mangelhaften medizinischen Versorgung von Aids-Patienten. Die reicheren Geberländer müssten schnellstmöglich Maßnahmen einleiten, um Mediziner vor Ort zu unterstützen. „Die Antworten auf HIV und Aids verlangen nach langfristigen und nachhaltigen Finanzierungen“, sagte Ban Ki Moon.

Tatsächlich ist die Lebenserwartung von HIV-Patienten in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Seit den Anfängen der antiretroviralen Kombinationstherapie 1996 leben Neuinfizierte heute nach Informationen des britischen Fachmagazins „The Lancet“ durchschnittlich 13 Jahre länger. Gleichzeitig ging die Sterblichkeit von HIV-Infizierten zwischen 1996 und 2005 um fast 40 Prozent zurück. Laut „The Lancet“ hat ein 20-Jähriger Patient, bei dem 2003 HIV diagnostiziert worden ist, eine Lebenserwartung von 50 Jahren, wenn er früh mit antiretroviralen Medikamenten behandelt worden ist. Allerdings liegt die durchschnittliche Lebensdauer von HIV-Patienten damit noch weit unter der der Durchschnittsbevölkerung.

Künftig könne die Lebenserwartung von HIV-infizierten Menschen aber weiter steigen, heißt es. „Das ist eine berechtigte Hoffnung“, sagte der Berliner Aids-Spezialist Keikawus Arastéh dem Tagesspiegel. Derzeit nimmt er an der Konferenz in Mexiko teil. Insgesamt sei das Virus jedoch nicht schwächer geworden, es gebe nur bessere Behandlungsmöglichkeiten, erklärte Arastéh, der im Berliner Auguste-Viktoria-Klinikum arbeitet. Entscheidend sei der frühe Beginn einer Therapie, sagen Ärzte.

Derzeit leben 90 Prozent der weltweit infizierten Menschen in Entwicklungsländern, 70 Prozent von ihnen haben laut „Ärzte ohne Grenzen“keinen Zugang zu den notwendigen antiretroviralen Medikamenten. Im vergangenen Jahr wurden weltweit zehn Milliarden Dollar für den Kampf gegen Aids in armen Ländern ausgegeben – 8,1 Milliarden Dollar weniger als nach Auskunft der UNAIDS nötig gewesen wären. Allein um den jetzigen Zugang zu der Medizin zu halten, benötige man bis 2010 rund 50 Prozent mehr Gelder, schätzen Experten.

Um zu verhindern, dass durch eine Infektion mit dem HI-Virus die Immunschwächekrankheit Aids ausbricht, arbeiten Mediziner seit 1996 mit der antiretroviralen Therapie. Die Behandlung mit drei Medikamenten, die die Vermehrung des Virus im Körper verhindern sollen, galt als Durchbruch. Gerade in der Anfangszeit ging sie sehr häufig mit schweren Nebenwirkungen einher. Seit dem ersten Auftreten von Aids 1981 starben weltweit 25 Millionen Menschen an der Krankheit, vor allem in Afrika.

Doch die Immunschwäche-Krankheit ist auch in Deutschland wieder auf dem Vormarsch. Das Robert-Koch-Institut zählte 2007 im Vergleich zu 2006 eine Zunahme der Neuinfektionen von vier Prozent. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr bundesweit rund 2800 Neuinfektionen gemeldet. (mit dpa)

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