Politik : Hoffnung für das Kap

Hohe Erwartungen an Cyril Ramaphosa – kann er Südafrikas ANC einen?

Helmut Schneider[Johannesburg]

Bisher hat er immer Nein gesagt – diesmal nicht. Diesmal hat er geschwiegen. Das nehmen die südafrikanischen Medien als ein zurückhaltendes Ja. Es geht um Cyril Ramaphosa und die im Dezember anstehende Wahl einer neuen Führungsmannschaft des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC). Dazu laufen in den Parteigruppen und Provinzen Südafrikas jetzt die Aufstellungen durch die Mitgliederversammlungen. Dabei votiert ein beträchtlicher Teil lautstark für Jacob Zuma. Ein anderer will Thabo Mbeki im Amt halten. Die Lager sind bereits so zementiert, dass sogar staatliche Ämter momentan nicht vergeben werden, weil die Verantwortlichen sich unschlüssig sind, ob sie mit Pro- Mbeki- oder Pro-Zuma- Leuten besetzt werden.

Mbeki ist seit 1997 ANC-Präsident und will diese Position, für die es keine Restriktion der Amtszeit gibt, behalten. Seinen Posten als Staatspräsident hingegen muss er 2009, wenn seine zweite fünfjährige Wahlperiode abgelaufen ist, abgeben. Da aber der ANC in Südafrika die politische Linie bestimmt, könnte er dann sowohl einen ihm genehmen Nachfolger auswählen als auch aus dem Hintergrund weiter Einfluss ausüben. Das aber wollen die Zuma-Anhänger verhindern. Wenn der jetzige Vizepräsident des ANC auf dem Parteitag im Dezember zum Präsidenten gewählt wird, dann ist er entsprechend der bisherigen Gepflogenheiten auch nach den Wahlen in eineinhalb Jahren der Präsident Südafrikas.

Angesichts der heftigen innerparteilichen Auseinandersetzungen werden daher von besorgten Parteikadern jetzt zunehmend andere Namen ins Spiel gebracht. Darunter eben auch der Cyril Ramaphosas. Sollte er tatsächlich von mindestens zwei Provinzen aufgestellt werden, wäre er im Rennen. Der ausgebildete Jurist Ramaphosa war, nach mehrmaliger Inhaftierung wegen Antiapartheidaktivitäten, Ende der 80er Jahre Generalsekretär der einflussreichen Bergarbeitergewerkschaft NUM und hatte sich damals nicht nur bei den Arbeitern, sondern auch bei den mit ihm bei Tarifverhandlungen konferierenden Unternehmern einen ausgezeichneten Ruf erworben. Daher wurde er ausgewählt, um nach der Freilassung von Nelson Mandela 1990 die Verhandlungen des wieder zugelassenen ANC mit der weißen Apartheidregierung zu führen. Ein Jahr später wählte ihn der Parteitag zum ANC-Generalsekretär. Auch war Ramaphosa maßgeblich an der späteren Ausarbeitung einer neuen, demokratischen Verfassung für Südafrika beteiligt. Es wurde angenommen, dass er nach den ersten freien Wahlen 1994 als Stellvertreter Mandelas Vizepräsident Südafrikas wird.

Doch dazu kam es nicht, weil sich in der Zwischenzeit der aus dem Exil heimgekehrte Thabo Mbeki nach vorne drängte. Die ANC-Führung entschied sich für Mbeki, auch weil er zur im ANC dominierenden ethnischen Gruppe der Xhosa gehört, der in Soweto geborene Ramaphosa aber Venda ist. Für Ramaphosa blieb der Außenministerposten, den er ablehnte. Er ging stattdessen 1996 in die Wirtschaft. Dort hat er zahlreiche Führungsposten in Unternehmen inne, unter anderem ist er Chairman des Medienkonzerns Johnnic, zu dem Beteiligungen an großen Zeitungen in Südafrika gehören.

Sollten tatsächlich noch weitere ANC-Strukturen Ramaphosa als Kandidaten aufstellen, wäre er der Mann, der die Spaltung der Organisation überwinden könnte. Als ANC-Präsident wäre er der automatische Nachfolger seines Rivalen Mbeki 2009 als Staatspräsident Südafrikas. Der Begriff „Kap der Guten Hoffnung“ wäre dann mit seiner Politik verbunden, denn von ihm wird eine kluge Staatsführung erwartet – nicht nur von den schwarzen Südafrikanern, sondern auch von den weißen und der Wirtschaft.

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