Politik : Hohe Beteiligung bei Abstimmung über das Präsidentenamt

Bei der Direktwahl ihres Staatsoberhauptes haben die Finnen am Sonntag regen Gebrauch von ihrem Wahlrecht gemacht. Es zeichnete sich eine hohe Wahlbeteiligung ab. Nach Angaben des staatlichen Wahlamtes in Helsinki hatten schon 1,2 Millionen der annähernd 4,2 Millionen Stimmberechtigten per Briefwahl ihre Stimme abgegeben. Insgesamt wurde mit einer Wahlbeteiligung von über 80 Prozent gerechnet. Es ist erst das zweite Mal seit der Unabhängigkeit von Russland 1917, dass die Finnen ihren Präsidenten direkt wählen. Zuvor wählten die Bürger eine Wahlversammlung, die dann den Präsidenten bestimmte.

Als wahrscheinlich galt nach Umfragen kurz vor dem Wahltag, dass die sozialdemokratische Außenministerin Tarja Halonen (56) und der liberale Oppositionschef und Ex-Ministerpräsident Esko Aho (45) mit Abstand die meisten Stimmen erhalten würden. Sie waren in einer Gallup-Umfrage für die Zeitung "Helsingin Sanomat" Ende letzter Woche auf jeweils 38 Prozent gekommen und lagen damit weit vor den anderen fünf Kandidaten, darunter auch Parlamentspräsidentin Riitta Ousukainen (57) von der Konservativen Partei und Ex-Verteidigungsministerin Elisabeth Rehn (64) von der Schwedischen Volkspartei (der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland).

Für eine Entscheidung im ersten Wahlgang wäre die absolute Mehrheit für einen Kandidaten oder eine Kandidatin nötig. Als weitgehend sicher galt, dass weder Aho noch Halonen sie erreichen würde, sondern dass sich die beiden best platzierten Kandidaten am 6. Februar einer Stichwahl stellen.

Der 1994 als erstes finnisches Staatsoberhaupt direkt gewählte derzeitige Präsident Martti Ahtisaari von den Sozialdemokraten hatte auf die Kandidatur für eine zweite Amtszeit verzichtet. Ahtisaari will sich um ein Amt in einer internationalen Organisation bemühen.

Mit dem Amtswechsel am 1. März treten Verfassungsänderungen in Kraft, mit denen das Staatsoberhaupt von Finnland seine wichtigsten politischen Kompetenzen verliert. Sie umfassten bisher die oberste Verantwortung für die Außenpolitik des Landes sowie eigene Entscheidungsbefugnisse bei der Regierungsbildung. Allerdings befürworten die beiden führenden Kandidaten Tarja Halonen und Esko Aho ohnehin die seit dem Jahr 1995 bestehende Mitgliedschaft Finnlands in der Europäischen Union und den Neutralitätskurs in der Sicherheitspolitik.

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