Politik : Holder soll erster schwarzer US-Justizminister werden

Anwalt war bereits unter Präsident Bill Clinton stellvertretender Ressortchef – er ist kein Befürworter der Todesstrafe

Christoph von Marschall[Washington]

Der künftige US-Präsident Barack Obama hat Eric Holder nach übereinstimmenden Medienberichten als seinen Justizminister ausgewählt. Der 57-Jährige wäre der erste Afroamerikaner in diesem Amt. Unter George W. Bush hatte zum ersten Mal ein Latino, Roberto Gonzales, als Attorney General gedient. Dieses Amt fasst die Funktionen des Chefanklägers und des Justizministers samt der Oberaufsicht über das Gerichtswesen und der Ernennung von Bundesrichtern zusammen.

Obamas Wahl für das Justizressort war mit Spannung erwartet worden, weil das Ministerium unter George W. Bush in Verruf geraten war. Gonzales musste 2007 zurücktreten, nachdem mehrere Fälle von Personalentscheidungen bekannt geworden waren, bei denen parteipolitische Erwägungen offenbar den Ausschlag vor der fachlichen Eignung gegeben hatten.

Holder soll das Justizministerium wieder entpolitisieren. Er genießt bei Demokraten wie Republikanern einen guten Ruf als Justizexperte. Er wurde 1951 in der Bronx in New York geboren, als Sohn eines Einwanderers von der Karibikinsel Barbados. Auch die Eltern seiner in den USA geborenen Mutter stammen von dort. Holder studierte Jura an der Columbia-Universität New York und trat 1976 ins Justizministerium ein. Ronald Reagan ernannte ihn zum Oberrichter im Bezirk Washington DC.

Bill Clinton berief ihn 1993 als Chefankläger der Bundesjustiz im Hauptstadtbezirk. Holder war der erste Afroamerikaner auch in dieser Position. In diesen Jahren machte er sich vor allem mit dem Kampf gegen Korruptionsfälle von Politikern einen Namen, darunter die Affäre um Dan Rostenkowski. 1997 wurde er Stellvertreter der Justizministerin Janet Reno.

In der Übergangszeit zwischen den Regierungen Bill Clintons und George W. Bushs diente Holder einige Monate als amtierender Justizminister. Aus der Endzeit der Clinton-Regierung fällt der einzige, allgemein bekannte größere Schatten auf Holders Lebenslauf: die Begnadigung von Marc Rich durch den scheidenden Präsidenten Bill Clinton. Rich, ein 1934 in Belgien geborener Jude namens Marc David Reich, war 1942 mit seinen Eltern vor der Judenverfolgung in die USA geflohen und machte dort als Unternehmer und Ölhändler Karriere. Er gehörte zu den wichtigen Spendern für Clinton, wurde dann aber wegen Steuerhinterziehung in den USA angeklagt und floh in die Schweiz.

Auf Betreiben der Ehefrau und des Anwalts von Rich, Jack Quinn, begnadigte Clinton ihn am 20. Januar 2001, buchstäblich wenige Minuten vor seinem Amts ende. Im folgenden Untersuchungsverfahren gab Holder an, er habe dabei „eine neutrale Rolle gespielt“ und keine ausdrückliche Empfehlung für Richs Begnadigung abgegeben. Einige Republikaner sagen dagegen, sie hätten Belege, dass Holder tief involviert war.

In Washington heißt es jetzt aber, diese Episode sei kein Hindernis für Holders Bestätigung durch den Kongress.

Als Jurist vertritt Holder Positionen, die in den USA als zentristisch bis progressiv gelten. Er ist, zum Beispiel, kein Befürworter der Todesstrafe, bekannte das auch offen in den Anhörungen vor der Ernennung zum Vizejustizminister, fügte aber hinzu, solange sie geltendes Recht in den USA sei, werde er sich daran halten. Holders Frau Sharon ist Hebamme, sie haben drei Kinder.

Unterdessen berichtete der US-Fernsehsender CNN, dass Obama den früheren demokratischen Mehrheitsführer im Senat, Tom Daschle, als Gesundheitsminister im Blick habe. Der 60-Jährige habe signalisiert, dass er den Posten wolle, berichtete der Sender.

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