Politik : Holger Börner: Der Mann, der Fischer zum Minister machte

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So ändern sich die Zeiten: vermutlich nimmt die Würdigung von Holger Börner heute ihren Weg am besten über Joschka Fischer. Denn dass er den anno 1985 zum Minister gemacht und zwei Jahre später wieder gefeuert hat, hebt ihn am ehestens ins Gedächtnis. Der heutige Spitzenreiter in der Popularitätsliga war damals ein Außenseiter, misstrauisch beäugt, auf Provokation aus - mit den berühmten Turnschuhen bei der Vereidigung -, Börner der hessische Ministerpräsident, eine Säule der SPD und eine wichtige Gestalt der deutschen Politik. Allerdings fällt diese Episode schon in die Zeit, in der die Säule wankte.

Bis dahin passte Börners Laufbahn ins sozialdemokratische Bilderbuch der frühen Bundesrepublik - Herkunft aus alter sozialdemokratischer Familie, gelernter Betonfacharbeiter, Lehrjahre in der Kommunalpolitik und den SPD-Nachwuchsorganisationen, und das alles auch noch in Nord-Hessen - Börner stammt aus Kassel -, dem traditionstreuen SPD-Standbein. Börner gehörte danach zum unverzichtbaren Personal der SPD, das die sozialliberale Koalition vorbereitete und trug - als parlamentarischer Staatssekretär, als Bundesgeschäftsführer, schließlich als Ministerpräsident, der 1976 Hessen für die SPD sichern sollte. Im Strudel des Niedergangs dieser SPD, in Atom- und Startbahn-West-Konflikten und Machtverlust, ging er auch unter - ein fast tragischer Fall, denn ein Stück älterer, erzsolider SPD in der von inneren Auseinandersetzungen erschütterten Partei blieb er. Es hatte seine innere Konsequenz, dass er 1987 aus der Politik ausschied und seither der Friedrich-Ebert-Stiftung vorsteht. An diesem Mittwoch wird Holger Börner 70 Jahre alt.

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