Holocaust-Äußerungen : Geldstrafe für Le-Pen-Vize gefordert

Der rechtsextreme französische Politiker Bruno Gollnisch soll wegen zweifelnder Aussagen zum Holocaust eine Geldstrafe von 10.000 Euro zahlen. Gollnisch hat sich mittlerweile einsichtig geäußert.

Lyon - Mit seiner Forderung berücksichtigte Staatsanwalt Bernard Reynaud in Lyon ein überraschendes Einlenken des Europaabgeordneten. Vor Gericht stimmte Gollnisch, Vizechef der Partei Front National (FN), der Aussage zu, dass die Gaskammern von den Nazis zur organisierten Ermordung der europäischen Juden genutzt wurden. Gollnisch sagte wörtlich zu dieser Aussage: "Vollkommen. Ich bejahe das in meiner Antwort."

2004 hatte Gollnisch den direkten Zusammenhang zwischen Gaskammern und den KZ-Opfern noch bezweifelt. Damals hatte er in Lyon gesagt, er stelle weder die Deportationen "noch die Hunderttausenden, die Millionen Toten" in den NS-Lagern in Frage. Auch die Existenz von Gaskammern bestreite er nicht. Es müsse aber eine "freie Debatte" darüber geben, wie die Menschen in den Konzentrationslagern gestorben seien.

Licra zieht Klage zurück

Nebenklage-Vertreter Alain Jakubowicz hatte Gollnisch in dem Verfahren angeboten, er solle seine Aussagen zurücknehmen. "Dass die Jungen den FN-Vizechef hören, wie er dies zugibt, wiegt sämtliche Schadensersatzzahlungen auf", sagte Jakubowicz. Er zog daher die Klage der Internationalen Liga gegen Rassismus und Antisemitismus (Licra) und der Union der jüdischen Studenten in Frankreich zurück.

Die Anti-Rassismus-Organisation SOS Racisme, in dem Verfahren weiter als Zivilkläger vertreten, fordert dagegen weiter, Gollnisch solle "hart verurteilt werden". Theoretisch droht ihm wegen "Leugnung eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit" ein Jahr Haft. Die Staatsanwaltschaft schlug jedoch vor, Gollnischs Einlenken bei der Festsetzung des Strafmaßes einzubeziehen. Die Urteilsverkündung wurde für den 18. Januar angesetzt. (tso/AFP)

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