Holocaust-Gedenktag : Aufruf gegen Rassismus

Zum internationalen Holocaust-Gedenktag an diesem Sonntag haben Politiker dazu aufgerufen, im Kampf gegen Antisemitismus und Rassenhass nicht nachzulassen - während in München ein Faschingsumzug stattfindet.

BerlinAußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) erklärte: "Es bleibt für uns Deutsche Aufgabe und Pflicht, Derartiges nie wieder zuzulassen und jedem Anfang zu wehren." Am Sonntag sind in den Bundesländern zahlreiche Gedenkveranstaltungen geplant. Am 27. Januar 1945 hatte die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit. In Deutschland wird zu diesem Datum seit 1996 auf Anregung des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Vereinten Nationen riefen 2005 den 27. Januar zum internationalen Holocaust-Gedenktag aus.

Bereits am Freitag hatte der Bundestag eine Gedenkstunde veranstaltet. In einer bewegenden Rede, die von der Schauspielerin Angela Winkler verlesen wurde, schilderte die jüdische Schriftstellerin Lenka Reinerová, deren gesamte Familie von den Nazis umgebracht wurde, ihren Leidensweg. "Ihre Worte und die Berichte anderer Opfer des Nationalsozialismus werden uns Mahnung und Verpflichtung sein, die Erinnerung an den von Deutschen begangenen Völkermord wach zu halten und uns weltweit gegen Antisemitismus und Rassenhass einzusetzen", erklärte Steinmeier.

Eine klare Absage

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) betonte, der Schlüssel für eine wirkungsvolle Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus sei die intensive Beschäftigung mit der deutschen Geschichte. "Der Internationale Gedenktag mahnt uns, jeder Form von Intoleranz gegenüber Andersdenkenden, Gewalt und Menschenverachtung eine klare Absage zu erteilen", erklärten er und Landtagspräsident Gunter Fritsch in einer Mitteilung.

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) mahnte im Deutschlandradio Kultur, bei den nachwachsenden Generationen die Erinnerung an die Geschehnisse wachzuhalten. Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sagte, die Jugendlichen hätten vor allem Interesse an Zeitzeugen, von denen allerdings immer weniger lebten.

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Markus Löning bekräftigte in der "Berliner Zeitung" die Forderung seiner Partei nach einer Enquete-Kommission des Bundestags zum Thema Antisemitismus. Der ehemalige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) kritisierte den am Holocaust-Gedenktag in München geplanten Faschingsumzug scharf. Der Umzug sei "eine Instinktlosigkeit erster Güte", sagte Stoiber der "Bild"-Zeitung. "Es gibt Dinge, die tut man nicht." Der Zug wird auch vom Zentralrat der Juden scharf kritisiert. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) ist Schirmherr und will teilnehmen. Thierse mahnte mehr Umsicht im Umgang mit einem solchen Gedenktag an. (ps/dpa)

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