Holocaust-Leugnung : Zypries hält Haftbefehl gegen Williamson für möglich

Holocaust Leugner Richard Williamson muss nach seiner Rückkehr nach Europa mit einer möglichen Strafverfolgung rechnen. Laut Bundesjustizministerin Zypries könnte Deutschland einen Europäischen Haftbefehl gegen den erzkonservativen britischen Bischof ausstellen.

Williamson
Bischof Richard Williamson -Foto: dpa

Brüssel Ein Europäischer Haftbefehl wäre als Folge des laufenden Ermittlungsverfahrens gegen Richard Williamson möglich, sagte Bundesjustizministerin Brigitte Zypries am Freitag in Brüssel nach einem Treffen mit ihren europäischen Amtskollegen. "Die Staatsanwaltschaft Regensburg ermittelt, weil das Interview, in dem er den Holocaust geleugnet hat und das im schwedischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, in Deutschland aufgezeichnet wurde", erklärte Justizministerin. "Grundsätzlich fällt das Delikt unter die Regelung des europäischen Haftbefehls. Das heißt, Deutschland könnte einen solchen Haftbefehl ausstellen, ja."

Zypries sagte weiter, sie rechne mit ähnlichen Ermittlungen in Großbritannien. Dorthin war der Brite Williamson am Mittwoch nach seiner Ausweisung aus Argentinien gereist. "Ich würde schon denken, dass die britische Staatsanwaltschaft tätig ist“, sagte die Ministerin und fügte hinzu: "Die haben ja sicherlich auch Anlass sich anzugucken, ob irgendwelche Strafnormen verletzt sind."

Zentralrat der Juden entsetzt über Williamson

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, äußerte sich unterdessen "entsetzt" über die neue Erklärung Williamsons. "Durch den ausbleibenden eindeutigen Widerruf seiner böswilligen Lügen hat Williamson erneut zum Ausdruck gebracht, dass er ein überzeugter Antisemit und unverbesserlicher Holocaust-Leugner ist, der den Völkermord an sechs Millionen jüdischen Menschen in Zweifel zieht", betonte Knobloch am Freitag in einer Presseerklärung.

Williamson war am Mittwoch aus Argentinien nach Großbritannien zurückgekehrt. Er erklärte: "Es tut mir leid, diese Aussagen gemacht zu haben." Inhaltlich nahm der Pius-Bruder seine Äußerungen jedoch nicht zurück. Der Fall erregte weltweites Aufsehen, weil Papst Benedikt XVI. den Ausschluss des Priesters aus der katholischen Kirche aufgehoben hatte. Einer Aufforderung des Papstes, seine Aussagen zu widerrufen, widersetzte sich Williamson. (jam/dpa)

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