Politik : Holocaust-Mahnmal: Beim Geld hört das Erinnern auf

Malte Lehming

Wann immer in Deutschland die Vergangenheit getadelt oder das jüdische Leben gepriesen wird, geht etwas schief. Dieses Schiefgehen lässt sich in zwei Klassen unterteilen: Entweder sind die Gesten total daneben, oder sie sind knapp daneben. Gut gemeint sind sie fast immer. Zur Total-daneben-Klasse, die eher selten vorkommt, zählt Philipp Jenningers Rede zum 9. November, die er 1988 gehalten hat, und Simon Rattles Auftritt im KZ Mauthausen, wo er Beethovens "Ode an die Freude" dirigierte. Weitaus verbreiteter ist die Knapp-daneben-Klasse. Entscheidend ist bei diesen rundum sympathischen Versuchen, dass sich jemand Mühe gegeben hat, etwas Gutes zu tun.

So war es auch gestern wieder. Der Zentralrat der Juden in Deutschland beging seinen 50. Geburtstag. Das eigentliche Datum liegt zwar einige Wochen zurück, aber offenbar waren die Mitglieder des Zentralrats selbst ganz überrascht davon, wie lange es ihre Organisation schon gibt, dass sie vergessen hatten, rechtzeitig eine Feier zu veranstalten. Also wurde nachgefeiert. Gerhard Schröder sagte ein paar vernünftige Dinge zum Rechtsradikalismus. Allgemein wurde aufrichtig gemahnt und gewarnt, das war dem Anlass angemessen.

Am Morgen jedoch hatte Paul Spiegel, der Präsident des Zentralrats, einen Satz gesagt, der es verdient hat, in die Knapp-daneben-Klasse aufgenommen zu werden: Die Jugendlichen in Deutschland müssten wegen des Rechtsextremismus und Antisemitismus mehr über die Leistungen von Juden für Wirtschaft und Kultur erfahren. Das ist eine seltsame Logik. Soll den Rechten mehr Respekt vor Nobelpreisträgern beigebracht werden? Sollen sie lernen, dass man vor allem die nicht hassen darf, die etwas leisten? Und was heißt das im Umkehrschluss: Wer nichts für die Wirtschaft und Kultur in Deutschland leistet, hat selbst Schuld, wenn er verprügelt wird?

In die Total-daneben-Klasse gehört dagegen der Auftritt des CDU-Bundestagsabgeordneten Günter Nooke. Falls das Holocaust-Mahnmal mehr koste als 50 Millionen Mark, sagte der Fraktionsvize, könne er seiner Fraktion nicht empfehlen, den Planungen zuzustimmen. Nooke ist zu klug, um nicht zu wissen, dass seine Äußerungen am Jubiläumsfeiertag des Zentralrats beachtet werden. Aber er ist nicht klug genug, um abgesehen zu haben, wie sie wirken. Dass das Mahnmal etwas mehr kosten könnte als 50 Millionen, ist bekannt. Was also will Günter Nooke wirklich: Will er nur Klarheit haben, oder will er knausern?

Falls er knausern will, sollte Nooke sich besser an seine Parteifreunde in Hessen wenden. Da gab es doch angeblich jüdische Vermächtnisse, die in dunkle Spendenkanäle wanderten. Ob man da nicht einen kleinen Zuschuss... ?

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