Politik : Holocaust-Mahnmal: Monika Griefahn im Interview: "Der größte Schritt ist getan"

Sind Sie mit dem jetzigen Entwurf zufrieden?

Monika Griefahn (46, SPD) ist neue Vorsitzende des Bundes-Kulturausschusses. Sie ist Kuratoriumsmitglied der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und war bis 1998 niedersächsische Umweltministerin.



Sind Sie mit dem jetzigen Entwurf zufrieden?

Ja. Es ist ein guter Kompromiss, denn alle Beteiligten wollten ein Haus der Information, das nicht das Mahnmal als solches beeinträchtigt. Und da ist eine unterirdische Lösung einfach sinnvoll. Der Entwurf macht die Schlichtheit des Hauses der Information deutlich, in dem die Ausstellung das Wichtigste sein soll.

Ist mit dem vorgelegten Entwurf der politische Streit über das Holocaust-Mahnmal abgeschlossen?

Das glaube ich schon. Gestern hat sich ja auch Frau Rosh vom privaten Förderkreis sehr positiv über den Vorschlag geäußert. Ihr war immer sehr wichtig, dass es eine Lösung gibt, die das Mahnmal nicht einschränkt. Dieser Konflikt ist jetzt gelöst. Wir haben uns in den vergangenen Monaten angenähert. Ich glaube, dass jetzt der größte Schritt getan ist. Was jetzt bleibt, sind nur noch Details.

Erwarten Sie, dass jetzt der Konflikt zwischen Berlin und dem Bund beigelegt wird?

Ja, das nehme ich an. Kultursenator Christoph Stölzl hat gestern die gefundenen Lösung sehr befürwortet und will sie unterstützen. Ich glaube, es wird jetzt ein einvernehmliches Vorgehen geben.

Und die höheren Kosten?

Die Frage der Kosten ist dadurch kompensiert, dass bei dem jetzigen Modell kein zusätzliches Grundstück angekauft werden muss und dadurch die möglicherweise höheren Baukosten relativiert werden.

Welche Kosten erwarten Sie?

Das ist schwierig zu sagen. Dafür brauchen wir noch Detailberechnungen. Wir müssen die Finanzierung für den übernächsten Haushalt klären. Im nächsten haben wir für den Bau genug Geld veranschlagt.

Welchen Stellenwert wird das Info-Zentrum im Verhältnis zum Mahnmal haben?

Es wird wesentlich mehr Besucher auf dem Mahnmal als im Informationszentrum geben. Aber Besuchergruppen, die wir als Abgeordnete im Reichstag zu Besuch haben, werden sicher auch das Haus der Information besuchen. Das wird ein Teil des Programmes werden. Das Mahnmal ist ein gutes Portal, um einen Einstieg zu kriegen auch für die anderen Gedenkstätten, auf die das Haus der Information verweisen soll.

Besteht nicht die Gefahr, dass die Ausstellung in einem unterirdischen Gebäude ins Hintertreffen gerät?

Nein. Es ist jedem klar, dass es ein Informationszentrum gibt. Aber nicht jeder, der zum Beispiel das Mahnmal als Kontemplationsort benutzen möchte, ist gezwungen, dort hineinzugehen.

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