Politik : Holtzbrinck verkauft den Tagesspiegel

Neuer Eigentümer: Verleger Gerckens / Antrag auf Ministererlaubnis zurückgezogen / Clement begrüßt die Entscheidung

Ulrike Simon

Der Tagesspiegel steht kurz vor dem Verkauf. Neuer Inhaber wird zum nächstmöglichen Zeitpunkt der ehemalige Holtzbrinck-Manager Pierre Gerckens. Dies teilte am Montag die Verlagsgruppe Holtzbrinck mit und zog zugleich den Antrag auf eine Ministererlaubnis durch Wolfgang Clement zurück. Mit der Ministererlaubnis wollte die Stuttgarter Verlagsgruppe die Genehmigung erhalten, in der Hauptstadt neben dem Tagesspiegel die im Juli 2002 gekaufte „Berliner Zeitung“ zu besitzen und beide Blätter verlagswirtschaftlich zu fusionieren. Das Kartellamt hatte dies untersagt. Verleger Dieter von Holtzbrinck sagte, er bedauere den Schritt sehr. Er wolle mit dem Verkauf die seit Monaten andauernde Hängepartie für Verlag und Redaktion beenden. Insbesondere kritisierte er, dass das Verfahren um eine Ministererlaubnis bis in den Bundestag hinein politisiert worden sei. Auch die mögliche Änderung des Kartellrechts für die Presse hätte eine Hängepartie bedeutet, die Monate, wahrscheinlich Jahre in Anspruch genommen hätte, sagte von Holtzbrinck. Statt eines Ruhenlassens des Verfahrens mit ungewissem Ausgang habe sich die Verlagsgruppe deshalb für eine schnelle, klare Lösung entschieden. Pierre Gerckens wird alleiniger Besitzer der Tagesspiegel-Gruppe, zu der das Stadtmagazin „Zitty“ und die „Potsdamer Neueste Nachrichten“ gehören. Der 65-Jährige ist zudem Vizepräsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger. Gerckens arbeitete mehr als 30 Jahre bei Holtzbrinck, bevor er sich 1999 selbstständig machte. Seit 1992 ist er Mitglied des Tagesspiegel-Beirats. Mit sofortiger Wirkung ist Gerckens von sämtlichen Ämtern und Funktionen bei Holtzbrinck zurückgetreten. Als Einzelunternehmer sehe er größere Chancen, den Tagesspiegel binnen drei bis fünf Jahren aus den Defiziten zu führen, sagte Gerckens. An der Positionierung als regionale Qualitätszeitung mit bundesweiter Ausstrahlung wolle er ebenso festhalten wie an der Mannschaft. Der Verkauf steht unter kartellrechtlichem Vorbehalt. Clement begrüßte den Verkauf: „Damit ist das Verfahren für mich erledigt. Holtzbrinck wird jetzt eine unternehmerische Entscheidung herbeiführen. Der Verlag hat immer erklärt, es sei sein Ziel, beide Zeitungen zu erhalten.“

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