Politik : Homo-Ehe: Der Rat des Populisten (Kommentar)

apz

Was ist in Angela Merkel gefahren? Plant sie tatsächlich eine Kampagne gegen die Regierungsabsicht, gleichgeschlechtliche Partnerschaften juristisch ähnlich wie die Ehe zu stellen? Soll es eine Unterschriftenaktion dagegen geben, wie in Hessen 1999 gegen die generelle doppelte Staatsangehörigkeit für Ausländer? Es wäre ein gefährliches Spiel, auf das sich die Vorsitzende der CDU einließe. Es würde ihr vermutlich kaum gelingen, bis in jeden Ortsverband der Union herunter deutlich zu machen, dass ihr Ziel nicht die Diskriminierung einer bestimmten sexuellen Orientierung sei, sondern der Protest gegen eine von ihr vermutete Entwertung der Familie. Das Ergebnis wäre ein, wenn auch ungewolltes, Anheizen teilweise immer noch vorhandener dumpfer Vorurteile gegen Homosexuelle - mit verheerenden Folgen. Angela Merkel sollte auf Roland Koch hören, der mit populistischen Methoden mehr Erfahrung hat als sie. Der hessische Ministerpräsident hat die Landtagswahl mit der Kampagne gegen den Doppelpass gewonnen, weil 80 Prozent der Bürger dagegen waren. In einer weitgehend aufgeklärten modernen Gesellschaft, meint Koch nun, sei die rechtliche Ordnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften kein Thema, das die Menschen wirklich für essenziell hielten. Wer hätte gedacht, dass Roland Koch einmal einen mildernden Einfluss auf Angela Merkel haben könnte...

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