Homo-Ehe : Unionspolitiker fordern grundsätzliche Debatte in ihrer Partei

Der Druck in der Union wächst: Nachdem die große Koalition zwar zusätzliche Rechte für schwule und lesbische Paare auf den Weg gebracht, aber eine vollständige Gleichstellung der Homo-Ehe nicht zugestanden hat, fordern führende Unionspolitiker eine grundsätzliche Debatte in ihrer Partei.

Familienleben: Meret (2. v.l.) und Jessica Fluhr aus Stuttgart mit ihren Kindern, Janusz (l.) und Seth (r.). Das Frauenpaar lebt mit zwei Kindern in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft.
Familienleben: Meret (2. v.l.) und Jessica Fluhr aus Stuttgart mit ihren Kindern, Janusz (l.) und Seth (r.). Das Frauenpaar lebt...Foto: Wolfram Kastl/dpa

Die CDU sollte nach Ansicht ihrer Vize-Fraktionschefin im Bundestag, Nadine Schön, auf dem Parteitag im Dezember ganz grundsätzlich über Familienpolitik und Homo-Ehe diskutieren. "Ich befürworte eine Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare", sagte Schön dem Nachrichtenmagazin "Focus". In ihrer Partei und in der Bevölkerung sei dies aber nicht Konsens. Sie werbe daher für eine Debatte über das Thema und dafür, "dass wir die Frage der Gesellschafts- und Familienpolitik auf dem nächsten Parteitag vom Grunde auf führen".

Die Familienpolitikerin Schön sagte, der Staat solle zwei Modelle unterstützen: Menschen, die lebenslange Verantwortung füreinander tragen, und Familien, die Kinder großziehen.

Auch Unionsfraktionsvize Thomas Strobl, der bisher die Ehe als eine Verbindung nur von Mann und Frau gesehen und auf den Koalitionsvertrag verwiesen hatte, sieht nun Diskussionsbedarf in seiner Partei. Er forderte in der "Rheinischen Post" eine Debatte in der Union über die Frage, was Ehe und Familie im 21. Jahrhundert bedeuten. "Wir sollten einen offenen Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen werfen. Es entgeht uns in der Union nicht, was in unserem Land und um uns herum in Europa passiert", sagte Strobl vor dem Hintergrund der Entscheidung in Irland. "Das ist eine große Herausforderung, der wir uns als Partei stellen, für die Ehe und Familie seit jeher eine ganz besondere Bedeutung hat." Strobl betonte zugleich, dass eine solche Diskussion schwierig sei. "Als große Volkspartei haben wir aber den Vorteil, dass wir eine solche Debatte um die Fortentwicklung zentraler Institutionen unseres Zusammenlebens innerhalb der Partei führen können, weil es dort verschiedene Haltungen gibt."

Die Bundesregierung hatte am Mittwoch zusätzliche Rechte für schwule und lesbische Paare auf den Weg gebracht. Eine vollständige Gleichstellung der Homo-Ehe mit der Ehe zwischen Mann und Frau lehnten führende Unionspolitiker aber ab.

Zuletzt hatte die CDU auf ihrem Parteitag in Hannover vor zweieinhalb Jahren eine intensive Debatte über einen Antrag geführt, der die steuerliche Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften forderte. Die Delegierten hatten damals schließlich mehrheitlich für die "Privilegierung der vom Grundgesetz besonders geschützten Ehe" von Mann und Frau votiert. Die Abstimmung fiel allerdings überraschend knapp aus. Ein halbes Jahr später entschied dann das Bundesverfassungsgericht, dass das Ehegattensplitting auch für Partner einer Homo-Ehe gewährt werden muss.

Irland hatte sich in einem Referendum Mitte Mai für die komplette Gleichstellung von homosexuellen Paaren ausgesprochen. Seitdem wird auch in Deutschland wieder heftig über dieses Thema diskutiert. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2013 in Deutschland insgesamt rund 78.000 Paare, die in einer gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaft lebten. Dies waren gut ein Drittel mehr (34 Prozent) als zehn Jahre zuvor. Männer lebten etwas häufiger mit einem Partner des gleichen Geschlechtes zusammen als Frauen, sie führten 54 Prozent aller gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften.

Mit 45 Prozent lebte 2013 etwas weniger als die Hälfte aller gleichgeschlechtlichen Paare in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft (35 000 Paare). Seit dem Jahr 2006, als der Familienstand erstmals im Mikrozensus abgefragt wurde, hat sich die Zahl der eingetragenen Lebenspartnerschaften damit fast verdreifacht. (Tsp/AFP)

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