Homosexualität : Oppositionschef Malaysias festgenommen

Wegen des Vorwurfs der Homosexualität ist der malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim festgenommen worden. Der 60-Jährige hat die Vorwürfe entschieden zurückgewiesen. Sie seien ein Versuch, sein politisches Comeback zu verhindern.

Kuala LumpurDer malaysische Oppositionsführer Anwar Ibrahim ist am Mittwoch unter dem Vorwurf der Homosexualität festgenommen worden. Der Politiker sei vor seinem Haus von zehn Sicherheitsbeamten in Gewahrsam genommen und in das Hauptquartier der Polizei in Kuala Lumpur gebracht worden, sagte Anwars Anwalt. Anwar selbst bezeichnete die Vorwürfe als Komplott, um ihn politisch auszuschalten. Vor dem Polizeirevier in der Hauptstadt protestieren rund 600 Anhänger von Anwars Parei Keadilan gegen die Festnahme.

Ehefrau ist besorgt

Anwars Frau Wan Azizah Wan Ismail äußerte Sorge um die Sicherheit ihres Mannes. Er habe ein Rückenleiden und werde von der Polizei nicht "geschont", sagte sie, nachdem sie ein kurzes Gespräch mit ihm führen konnte. Nach Angaben seiner Partei wurde er zu Untersuchungen in ein Krankenhaus gebracht. Anwar wird vorgeworfen, mit einem ehrenamtlichen Mitarbeiter seines Büros gleichgeschlechtlichen Sex gehabt zu haben.

Anwar war bereits vor zehn Jahren wegen Homosexualität und Betrugs zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Zuvor war er Ende der 90er Jahre in einem Machtkampf mit dem damaligen Ministerpräsidenten Mahathir Mohamad als stellvertretender Regierungschef entlassen worden. Der Oppositionspolitiker bezeichnete die jüngsten Vorwürfe als "Lügenmärchen und böswillige Angriffe". Sie seien lediglich eine Wiederholung des "Drehbuchs" von 1998, als er erstmals im Verdacht der Homosexualität stand. Die Vorwürfe drohen Anwars politisches Comeback zu kippen. Seine Partei war bei den Parlamentswahlen im März stärkste Oppositionskraft geworden. Homosexualität ist im muslimischen Malaysia illegal und wird mit 20 Jahren Haft bestraft. (sg/AFP)

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