Honduras : Abstimmung in der Staatskrise

Porfirio Lobo ist neuer Präsident in Honduras. Der Wahlboykott der Anhänger Zelayas war offenbar erfolglos.

Sandra Weiss[Tegucigalpa]

Ein Konservativer soll Honduras aus der seit Monaten schwelenden Staatskrise führen. Der Großgrundbesitzer und Agrarunternehmer Porfirio Lobo erhielt nach einem Zwischenergebnis des Obersten Wahlgerichts am Sonntag 55 Prozent der Stimmen, während Elvin Santos von der Liberalen Partei auf 39 Prozent kam.

Der Wahltag verlief weitgehend friedlich, war jedoch überschattet von technischen Pannen bei der Ergebnisübermittlung und strengsten Sicherheitsvorkehrungen, nachdem es im Vorfeld zu Anschlägen und mysteriösen Morden gekommen war. In San Pedro Sula löste die Polizei eine Demonstration von Anhängern des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya gewaltsam auf. Die Widerstandsbewegung hatte zum Wahlboykott aufgerufen und sprach von einer Beteiligung von nur 40 Prozent. Nach Angaben des Wahlgerichts lag sie dagegen bei 61 Prozent.

In der Schule „Bundesrepublik Deutschland“ im ärmlichen Viertel El Carrizal im Norden der Hauptstadt Tegucigalpa herrschte schon am Morgen großer Wählerandrang. „Dies ist ein Fest der Demokratie“, sagte die Hausfrau Carla Diaz bei der Stimmabgabe. „Und eine Chance, die Polarisierung des Landes zu überwinden.“ Der 33-jährige Klempner Hector Irias zog es hingegen vor, draußen vor dem Wahllokal auf seine Freundin zu warten. „Wählen ist sinnlos und nützt nur der Elite, die sich so gegenseitig die Gelder zuschanzt und schon am Tag nach der Wahl das Volk vergisst“, sagte er. Zwei Drittel der 7,5 Millionen Einwohner leben in Armut.

Gelöst ist die Staatskrise mit der Wahl noch nicht; der einflussreiche Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga sprach jedoch von einem „ersten Schritt“ in die richtige Richtung. Noch ist Honduras ein internationaler Paria – kaum ein Land hat die Putschregierung unter dem vorübergehend auf eigenen Wunsch beurlaubten Roberto Micheletti anerkannt. Noch befindet sich der gestürzte Präsident Zelaya verschanzt in der brasilianischen Botschaft. Am Mittwoch soll der Kongress über seine Wiedereinsetzung beraten.

Der 61-jährige Lobo versprach einen nationalen Dialog zur Aussöhnung und appellierte an die internationale Gemeinschaft, die Wahlen als „Teil der Lösung und nicht Teil des Problems“ zu sehen. Die Staatengemeinschaft ist gespalten: Während die USA, Kolumbien, Panama und Costa Rica die Wahlen anerkannten, lehnten sie Länder wie Venezuela, Uruguay, Brasilien und Argentinien als „illegal“ und „nachträgliche Legitimation des Staatsstreichs“ ab .

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