Honduras : Zwei Tote bei Straßenkämpfen nach Rückkehr Zelayas

Bei Straßenkämpfen zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Zelaya und Sicherheitskräften hat es in Honduras zwei Tote gegeben.

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Straßenkämpfe lieferten sich Anhänger des gestürzten Präsidenten mit den Sicherheitskräften in der Hauptstadt.Foto: imago

In Honduras droht ein Chaos: Der Machtkampf zwischen Putschisten und dem gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya hat das Land in seinen Grundfesten erschüttert. Auf der einen Seite steht eine uneinsichtige Putschregierung, zusammengesetzt aus dem Militär und der traditionellen Oligarchie des Landes, überzeugt, Honduras vor dem Abdriften in den Kommunismus gerettet zu haben. Auf der anderen befindet sich der abgesetzte und in seiner Eitelkeit verletzte Zelaya, ebenfalls ein Vertreter der Elite, der allerdings im Laufe seiner Regierungszeit nach links rückte, mit Hugo Chavez aus Venezuela paktierte und zuletzt mit seinen Wiederwahlgelüsten und Verfassungsreformen die Pfründe der Oligarchie bedrohte. Irgendwo dazwischen die Bevölkerung – polarisiert und angesichts internationaler Blockade und Ausgangssperren zunehmend verärgert über das Spektakel, das sich die Mächtigen da liefern. Die Bevölkerung erwartet Reformen, Transparenz, staatsmännische Reife, wirkliche Gewaltenteilung, kurz: mehr Demokratie.

Am Showdown in Tegucigalpa hat das Ausland einen gehörigen Anteil. Honduras hat Anfang des 20. Jahrhunderts den Begriff der „Bananenrepubliken“ mit geprägt, weil die großen US-Bananenkonzerne dort die Politik machten und in der Wahl der Mittel nicht zimperlich waren. Wer sich nicht kaufen ließ, wurde kurzerhand aus dem Weg geräumt. Die Ideologie war stets nur ein Vorwand, und bis heute unterscheiden sich die beiden bestimmenden Parteien des Landes, die Liberalen und die Nationalen, ideologisch nicht. Hauptsächlich geht es ihnen um die Wahrung wirtschaftlicher Interessen.

Inzwischen sind die wirtschaftlichen Interessen des Auslands in dem kleinen mittelamerikanischen Land kleiner geworden. Mit der Polarisierung Lateinamerikas in ein rechtskonservatives, US-freundliches Lager und ein linksnationalistisches unter der Führung von Chavez, hat Honduras aber als politischer Spielball eine Aufwertung erfahren.

Chavez streckte seine Fühler nach Honduras aus und fand mit seinen Petrodollars in Zelaya ein dankbares Gegenüber. Das wiederum beobachteten die USA, die in Honduras eine Militärbasis unterhalten, mit Argusaugen. Dass Washington hinter dem Putsch steckt, ist die These von Chavez. Klar ist aber nur, dass die US-Diplomatie den Umsturz, der sich schon Tage zuvor abgezeichnet hatte, nicht energisch unterband.

Und nun ist mit Brasilien ein neuer Akteur aufgetaucht. Die Brasilianer, die ihren Einfluss schon lange nach Mittelamerika ausdehnen wollen, bisher aber am Widerstand Mexikos und der USA scheiterten, ergriffen die Chance beim Schopf und schleusten Zelaya in ihre Botschaft. Chavez stellte das Flugzeug zur Verfügung, der salvadorianische Präsident Mauricio Funes, dessen Frau Brasilianerin und eine Vertraute Lulas ist, die logistische Basis. Es ist unwahrscheinlich, dass die Aktion hinter dem Rücken Obamas ablief. Der US-Präsident, der genügend andere Probleme am Hals hat, wird froh sein, dass er die delikate Aktion mit ungewissem Ausgang an Lula delegieren konnte. Es ist ein Härtetest für die brasilianisch-amerikanischen Beziehungen. Sollte der Plan erfolgreich sein – das heißt, sollten die Putschisten einlenken und gleichzeitig der chavistische Einfluss in Honduras eingedämmt und eine neue Regierung durch Wahlen im November relegitimiert werden – wäre Brasilien damit endgültig zum bevorzugten Partner Washingtons in der Region geworden und zur unangefochtenen Führungsmacht Lateinamerikas.

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