Honorarerhöhung : Berliner Ärzte gehen leer aus

Auch in anderen Ländern gibt es trotz der Honorarerhöhung Unzufriedenheit, denn die großen Gewinner der vereinbarten Honorarsteigerungen für niedergelassene Ärzte sitzen in Nordrhein-Westfalen.

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Erregte Gemüter. Die ungleiche Verteilung der Honorare verärgert die Mediziner.Foto: Tobias Hase/dpa
Erregte Gemüter. Die ungleiche Verteilung der Honorare verärgert die Mediziner.Foto: Tobias Hase/dpaFoto: dpa

Berlin - Allein 160 Millionen Euro flössen im nächsten Jahr zusätzlich in deren Praxen, bestätigte am Mittwoch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Rein rechnerisch sind das dort dann 5000 Euro mehr für jeden Mediziner. Die Kassenärzte in Berlin, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern dagegen gehen nach Tagesspiegel- Informationen weitgehend leer aus. Sie erhalten lediglich, wie die Mediziner aller Bundesländer, eine Grunderhöhung von 0,75 Prozent für die gestiegene Krankheitslast der Bevölkerung.

Insgesamt soll das Honorar der rund 150 000 Kassenärzte nach dem Verhandlungsergebnis vom Dienstag von rund 32 auf etwa 33 Milliarden Euro steigen. Und mit 500 Millionen Euro sollen Ärzte in Regionen bessergestellt werden, die in den vergangenen Jahren auf eher geringe Zuwächse kamen. Die Mediziner in Baden-Württemberg erhalten nach KBV-Angaben deshalb einen Aufschlag von rund 80 Millionen Euro, die Bayern bekommen 40 Millionen Euro mehr. Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Bayerns, Axel Munte, nannte die Vereinbarungen bereits zutiefst ungerecht.

Auch die Berliner KV ist verärgert. „Dass uns das Ergebnis nicht gefällt, ist klar“, sagte der Vizevorsitzende Uwe Kraffel dem Tagesspiegel. Dass die Berliner Ärzte nichts von der Erhöhung sähen, liege an der Berechnungsgrundlage, erläuterte er. Das zusätzliche Geld fließe nämlich nur für höhere Leistungsmengen, die Einzelleistungen selber würden nicht besser honoriert. Und in Berlin sei diesbezüglich eben nichts mehr draufzusatteln. „Wir sind bereits Spitzenreiter bei den Leistungen, die pro Einwohner erbracht werden“, sagte Kraffel. Das habe mit den Aids-Kranken und Drogenabhängigen, aber auch mit den überproportional vielen alten Menschen und Singles in der Stadt zu tun. Außerdem gebe es in Berlin offenbar eine höhere Anspruchshaltung, „die Leute gehen hier schneller zum Arzt“.

Nach Angaben von KBV-Chef Andreas Köhler ist das Honorarplus bereits in den für 2011 geplanten Beitragserhöhungen berücksichtigt. Es sei daher davon auszugehen, dass keine Krankenkasse wegen der Honorarerhöhung „einen Zusatzbeitrag erheben“ müsse, sagte er dem Fernsehsender n-tv. Ähnlich äußerte sich Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisierte die Erhöhung scharf. „Es ist eine mehr als frivole Ausschweifung, dass sich die Praxisärzte in Zeiten, wo die Versicherten derbe Zusatzbelastungen hinnehmen müssen und die Kopfpauschale droht, eine zusätzliche Milliarde in die Taschen stecken“, sagte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Die Vizevorsitzende der SPD-Fraktion, Elke Ferner, sagte dem Tagesspiegel, sie bedauere, dass man die Honorarerhöhung nicht wenigstens mit einer Qualitätsverbesserung für die Patienten gekoppelt habe.

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