Politik : Hooligans als Ordner auf WM-Partys

Am Rande der Fanmeile kam es fast zur Schlägerei Polizei spricht von offen gewaltsuchendem Verhalten

Frank Jansen

Berlin - Bei den Berliner WM-Festen ist ein Teil des Sicherheitspersonals offenbar selbst ein Sicherheitsrisiko. Nach Informationen des Tagesspiegels und des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) hat die Polizei festgestellt, dass auf der Fanmeile am Brandenburger Tor sowie bei einer Public-Viewing-Veranstaltung am Stadtrand Hooligans als Ordner auftraten. Bereits am Abend des Eröffnungsspiels der WM am 9. Juni verhinderte die Polizei am Rande der Fanmeile eine Schlägerei zwischen sächsischen Hooligans mit Security-Ausweisen und gewaltbereiten Berliner Fußballfans. Sechs Männer in schwarzer Ordnerkluft hatten das Festareal verlassen und zehn Hooligans des Vereins BFC Dynamo verfolgt. Die Polizei konnte die Ordner abfangen und schickte sie zur Meile zurück. Vier Tage später leitete das Landeskriminalamt eine Überprüfung aller 400 Ordner ein, die auf der von hunderttausenden Fans besuchten Meile tätig sind.

Ebenfalls am 9. Juni fiel der Polizei bei der Überprüfung des Sicherheitsdienstes, der für eine Public-Viewing-Veranstaltung im Berliner Ortsteil Alt-Karow verantwortlich ist, ein Mann auf, der sich im November 2005 an einer Massenschlägerei zwischen deutschen und polnischen Hooligans nahe Frankfurt (Oder) beteiligt hatte. Am 14. Juni wurde der Hooligan wieder als Ordner bei dem WM-Fest angetroffen – mit einem Schläger, der auch an der Prügelei vor einem halben Jahr dabei war und jetzt ebenfalls zum Security- Personal gehört. Nach Informationen von Tagesspiegel und RBB hält die Polizei beide Hooligans für so gefährlich, dass sie ihnen den Aufenthalt in der gesamten Berliner Innenstadt während der WM verbot. Die Männer stünden auch in der bundesweiten Datei „Gewalttäter Sport“, hieß es in Sicherheitskreisen. In der Datei sind 7000 Hooligans gespeichert, die bei Straftaten aufgefallen sind.

Im Fall der Beinahe-Schlägerei nahe der Fanmeile am Brandenburger Tor gibt es in der Polizei Unstimmigkeiten. In einem internen Bericht steht, die „Überschreitung der Ordnerkompetenz“ durch die Security-Leute berge „nicht kalkulierbare Risiken“. Das Gebaren unterstreiche „die hinlängliche Unzuverlässigkeit dieser Personen für derartige Aufgaben“. Sicherheitskreise zählen die sechs Sachsen zur Leipziger Hooliganszene, die mit den Fans des BFC Dynamo verfeindet ist.

In einer offiziellen Stellungnahme räumt die Polizei ein, die Security-Leute hätten sich „in offen gewaltsuchender Verhaltensweise“ den Hooligans des BFC Dynamo genähert. Dann wird aber bestritten, dass es sich um Ordner der Fanmeile handelt. Andererseits dauert die Identifizierung der Männer noch an. Nach Angaben von Sicherheitsexperten, die ungenannt bleiben wollen, haben die Sachsen auch nach dem Vorfall Besucher der Meile kontrolliert. Nach Recherchen von Tagesspiegel und RBB trug bei der Beinahe-Schlägerei mindestens einer der Sachsen einen Ordnerausweis an einem langen Schlüsselband, auf dem „Wohlthat Entertainment“ steht. Das Unternehmen ist einer der Veranstalter der Fanmeile. Firmenchef Rainer Wohlthat reagierte auf Anfragen gereizt: „Das ist alles Schwachsinn.“ Unter den Ordnern der Fanmeile gebe es keine Hooligans.

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