Humanitäre Hilfe : Berliner Arzt wird Vorstand von Ärzte ohne Grenzen

Volker Westerbarkey hatte seinen ersten Einsatz in Birma. Er arbeitete dort ein Jahr lang in einem HIV/Aids-Projekt. Inzwischen arbeitet er in einer Gemeinschaftspraxis in Kreuzberg.

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Der Berliner Arzt Volker Westerbarkey hat eine Praxis am Görlitzer Park. Jetzt wird er Vorstand der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen, für die er schon in Simbabwe und Mosambik tätig war.
Der Berliner Arzt Volker Westerbarkey hat eine Praxis am Görlitzer Park. Jetzt wird er Vorstand der Hilfsorganisation Ärzte ohne...Foto: Barbara Sigge/MsF

Der neue Vorstandsvorsitzende der Ärzte ohne Grenzen, Volker Westerbarkey, hat seine ersten Erfahrungen für die Hilfsorganisation in Birma gemacht. Vor elf Jahren zog er los, um ein Jahr lang in einem HIV- und Tuberkulose-Projekt zu arbeiten.

Der Aids-Behandlung ist Westerbarkey treu geblieben. Nachdem er 2012 seinen Masterstudiengang International Health an der Berliner Charité abgeschlossen hatte, begann er ein Jahr später in einer Berliner Gemeinschaftspraxis zu arbeiten. Mitten im Berliner Leben in Kreuzberg behandelt er HIV-positive Patienten, Drogenkranke, die eine Substitutionsbehandlung machen, aber auch all die Patienten, die schlicht einen Hausarzt brauchen. Auf die Frage, was er von seinen Auslandseinsätzen mitgebracht hat, nennt er „ärztliches Handwerk“. Die „klinische Erfahrung“ helfe ihm auch hier, Krankheitsbilder einzuordnen, „die in Berlin Gott sei Dank nicht mehr häufig vorkommen“. Besonders profitiere er aber von der „menschliche Reifung“ im Umgang mit Patienten, sagte er dem Tagesspiegel.

Nach seinem Einsatz in Birma war Westerbarkey für die Ärzte in Mosambik und in Simbabwe. Über seine Erfahrungen im Reich des Langzeitdiktators Robert Mugabe hat er vor ein paar Jahren im Deutschen Ärzteblatt einen Beitrag geschrieben. Euphorisch beschreibt er den „schönsten Teil des Arbeitstages: die Behandlung der Patienten, die erstmals mit ihrer antiretroviralen Therapie (ART) beginnen und auf Rettung hoffen“. Er erzählt von einem Mann, der vor dieser Behandlung in einer Schubkarre in die Klinik gebracht worden war, „von Tuberkulose verzehrt, von Durchfällen geplagt“. Nach einem Monat Behandlung hörte der Durchfall auf, er konnte wieder mehr essen. „Heute arbeitet er als Patientenexperte in der Poliklinik, betreut und informiert andere HIV-Infizierte“, schreibt er.

Wenn Krisen chronisch werden

Die Erfahrung, Menschen wirklich helfen zu können, hat Westerbarkey „sehr beeindruckt“. Die Arbeit der Ärzte ohne Grenzen, die dem humanitären Prinzip verpflichtet sind und sich immer dann zu Wort melden, wenn sie befürchten, dieses könnte unter die Räder kommen, imponiert dem Arzt. Das größte Problem sei aber, dass die humanitäre Hilfe an vielen Orten der Welt nicht mehr als neutral und unparteiisch wahrgenommen werde, hat er festgestellt. Deshalb hat sich die Sicherheitslage für humanitäre Helfer an Orten wie Syrien dramatisch verschlechtert.

Die Ärzte leiden aber noch unter einer weiteren Entwicklung: Die Nothilfeorganisation wird in chronischen Krisen immer mehr zum Staatsersatz; die Einsätze nehmen kein Ende mehr. Der Einsatz im Südsudan ist ein solches Beispiel. Wenn die Ärzte keine Gesundheitsversorgung anbieten würden, gäbe es sie gar nicht. Gleichzeitig herrscht Bürgerkrieg. Der Einsatz ist tatsächlich ein Nothilfeeinsatz.

„Unser Ziel ist es nicht, Gesundheitsministerien zu ersetzen“, sagt Westerbarkey. „In der Realität müssen wir aber praktische Lösungen finden.“ Eigentlich müsste man den Projektausstieg schon von Anfang an mitplanen, sagt er. Aber weil sie eine Nothilfeorganisation sind, können die Ärzte das fast nie.

Der 43-jährige Volker Westerbarkey löst Tankred Stöbe ab. Stöbe stand acht Jahre an der Spitze der deutschen Sektion der Ärzte ohne Grenzen.

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