Humanitäre Hilfe : Ein Zeichen gegen die Verzweiflung

Erschütternde Bilder erreichen die Deutschen aus dem Libanon: zerbombte Häuser, Ströme von Flüchtlingen und weinende Kinder. Immer lauter wird nun der Ruf nach einem humanitären Beitrag der Deutschen in dem Konflikt.

Hamburg - Die Hilfsorganisationen suchen händeringend nach Spendern, um das schlimmste Elend zu lindern. Bislang zücken aber nur wenige Bundesbürger ihren Geldbeutel - wohl auch, weil sie in dem Konflikt auf beiden Seiten Täter und Opfer sehen. Unterdessen fordern Flüchtlingsorganisationen einen expliziten Abschiebestopp für in Deutschland lebende Libanesen.

Christine Decker von Caritas international in Freiburg ist erschrocken über die Lage der Flüchtlinge im Libanon. "Die Lage ist so verzweifelt, dass die Menschen ganz dringend auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen sind", schildert sie. Allein in 36 Caritas-Sozialzentren im Libanon würden derzeit etwa 30.000 Flüchtlinge betreut, und Stunde für Stunde kämen mehr. Weil weder Hilfsgüter noch Lebensmittel ins Land kämen, explodierten vor Ort die Preise. "Es mangelt an allem", sagt Decker. Nahrungsmittel, Medikamente, Hygieneartikel und sauberes Wasser müssten her, um zumindest eine Grundversorgung in den Flüchtlingslagern zu gewährleisten. "Wir brauchen ganz dringend Spenden."

Auch der Sprecher des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Fredrik Barkenhammar, hat derzeit nur einen Wunsch an die Deutschen. "Spenden ist die sinnvollste Art zu helfen", sagt er. Jeden Tag mühten sich Rot-Kreuz-Mitarbeiter, gegen das Elend anzukämpfen. Vor allem Dörfer in Südlibanon seien fast von der Außenwelt abgeschnitten und könnten nur mühsam versorgt werden. "Wenn das so weiter geht, droht eine Katastrophe", sagt er. Auch Maria Rüther von der Aktion Deutschland Hilft schlägt Alarm. "Die Menschen sitzen in brütender Hitze und haben kein Trinkwasser", beschreibt sie. Viele kämpften ums Überleben.

Spendenbereitschaft ist bislang eher gering

Doch bislang hält sich die Spendenbereitschaft der Deutschen offenbar in Grenzen. "Anders als beim Tsunami klingelt unser Telefon nur selten", berichtet DRK-Sprecher Barkenhammar. Er gehe davon aus, dass bislang wenig Geld auf dem Spendenkonto eingegangen sei. Auch bei der Caritas fließen die Spenden bislang eher spärlich. "Für viele Leute ist noch gar nicht klar, dass Handlungsbedarf besteht", glaubt Decker. Viele hätten mit einer kurzen Krise gerechnet und bemerkten erst jetzt, dass der Konflikt andauert.

Barkenhammar hat zudem festgestellt, dass die Spendenbereitschaft bei einem militärischen Konflikt immer niedriger ist als bei einer Naturkatastrophe. "Bei einem Erdbeben gibt es in der Vorstellung der Menschen nur unschuldige Opfer. Bei militärischen Konflikten ist das für viele nicht so klar." Auch Decker glaubt, dass viele Leute vom Spenden zurückschrecken, weil sie auf beiden Seiten sowohl Täter als Opfer sehen. Viele hätten wohl Angst, mit ihrer Spende einen Hisbollah-Anhänger zu unterstützen. "Dabei hat der Großteil der Bevölkerung gar nichts mit der Hisbollah zu tun", betont sie.

Expliziter Abschiebestopp gefordert

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl in Frankfurt sorgt sich unterdessen auch um die in Deutschland lebenden Libanesen. Nach Zahlen der Organisation vom Juni 2005 sind von den rund 40.400 in Deutschland lebenden Libanesen derzeit 5535 nur geduldet. "Wir fordern einen expliziten Abschiebestopp, wie ihn Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz schon verhängt haben", sagt die Pro-Asyl-Referentin Marei Pelzer. Zwar würden derzeit ohnehin keine Libanesen aus Deutschland abgeschoben. Doch nur ein Abschiebestopp bringe Sicherheit, betont die Referentin.

Pelzer macht sich auch für jene Libanesen stark, die in Deutschland leben und auf Heimatbesuch waren, als der Konflikt ausbrach. "Auch diese Menschen müssen zusammen mit den Deutschen gleichberechtigt evakuiert werden", fordert sie. Zugleich richtet sie ihren Blick in die Zukunft. Sobald es darum gehen werde, Flüchtlinge in großem Umfang in Sicherheit zu bringen, solle auch Deutschland seine Pforten öffnen, findet sie. (Von Julia Deppe, AFP)

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