Politik : Hunderte vor Kanaren ertrunken

Ralph Schulze

Madrid - In den vergangenen Monaten sind vor der Küste Mauretaniens und vor den Kanarischen Inseln nach spanischen Regierungsangaben mehrere hundert Afrikaner ertrunken; afrikanische Hilfsorganisationen sprechen von mehr als tausend Toten, da die meisten Flüchtlingsschiffe unbemerkt sänken.

Am Wochenende ertranken bei zwei Bootsunglücken vor Mauretaniens Küste wieder 45 afrikanische Flüchtlinge. Der spanische Sender RNE berichtete am Montag, dass die Afrikaner von der Küste des Wüstenstaates zu den Kanarischen Inseln hatten gelangen wollen. Jose Segura, Statthalter Madrids auf den Kanaren, sagte, dies seien keine Einzelfälle. Täglich erreichen nach offiziellen Angaben drei bis vier Flüchtlingsschiffe die Küste, seit Jahresbeginn wurden 2400 „Boat People“ gezählt. Am vergangenen Wochenende nahm die kanarische Polizei 210 illegale Einwanderer an der Küste fest.

Segura forderte, Europa dürfe sich nicht taub stellen. Die EU müsse Spanien bei der Absicherung der Außengrenze helfen. Auch eine verstärkte Kooperation mit den nord- und westafrikanischen Küstenstaaten könne den Flüchtlingsstrom bremsen. Seit Marokko die Grenz- und Küstenkontrollen verstärke, suche sich die Flüchtlingsmafia neue Routen: Vor allem über Libyen über das Mittelmeer Richtung Italien und von Mauretanien über den Atlantik zu den Kanaren. Durch das Ausweichen auf Mauretanien werden die Überfahrten noch länger und gefährlicher. Die Flucht über das Meer ist nicht nur lebensgefährlich, sondern auch teuer. Die Schlepperbanden knöpfen ihren Opfern tausende Euro ab. Für die Flüchtlinge, die meist mit Hilfe der gesamten Ersparnisse ihrer Familie aufbrechen, um in Europa ihr Glück zu suchen, ist das ein Vermögen.

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