Hunderttausende demonstrieren : Massenprotest in Syrien weitet sich aus

Die Proteste gegen die Assad-Regierung gehen weiter. Währenddessen schwinden die Hoffnungen, dass die Beobachtermission der Arabischen Liga zur Lösung des Konflikts beitragen kann.

18. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet. Foto: AFPWeitere Bilder anzeigen
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18.07.2012 16:0418. Juli 2012: Assads Verteidigungsminister Daud Radscha wird bei einem Anschlag der Freien Syrischen Armee in Damaskus getötet.

Hunderttausende sind nach Angaben der syrischen Opposition am Freitag in ganz Syrien dem Aufruf zu Protesten gegen die Führung von Präsident Baschar al Assad gefolgt. Allein in der Widerstandshochburg Idlib seien nach den Freitagsgebeten 250 000 Menschen durch die Straßen gezogen und hätten an mehr als 70 Orten demonstriert, teilte die in London ansässige Beobachtergruppe für Menschenrechte mit. Auch in Hama und dem Vorort Duma der Hauptstadt Damaskus demonstrierten nach Angaben von Oppositionellen zehntausende Menschen. Der Fernsehsender Al Dschasira strahlte Liveaufnahmen aus, die nach seiner Darstellung zehntausende Demonstranten in einem Bezirk der Stadt Homs zeigten. Die Demonstranten tanzten und riefen: „Revolution und Freiheit für Syrien.“

Bei den neuen Massenprotesten wurden nach Angaben von Aktivisten mindestens zehn Menschen in den Oppositionshochburgen Homs und Daraa getötet. Seit Sonntag seien landesweit mindestens 98 Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe bewarfen die Demonstranten in Duma die Sicherheitskräfte mit Steinen. Die Sicherheitskräfte hätten in Duma neben Tränengas und Blendgranaten auch Nagelbomben eingesetzt, um die Demonstranten auseinanderzutreiben. Mindestens 24 Menschen seien verletzt worden. In Duma sei es auch zu heftigen Gefechten zwischen Armee-Überläufern und den Sicherheitskräften gekommen.

Syrien hat ausländischen Journalisten die Berichterstattung verboten. Daher ist der Wahrheitsgehalt der Berichte nicht unmittelbar zu überprüfen.

Oppositionelle Aktivisten hatten zu den Protesten aufgerufen. Die Menschen sollten auf die Straße gehen und den seit einigen Tagen im Land weilenden Beobachtern der Arabischen Liga ihre Lage vor Augen führen. „Wir wissen, dass das Blutvergießen nicht allein deshalb enden wird, weil sie da sind“, sagte ein Oppositionsvertreter aus Hama über die Beobachter der Arabischen Liga. „Aber wenigstens werden sie es sehen.“ Die Beobachtergruppe soll einen Friedensplan überwachen, in dem die Regierung in Syrien ein Ende der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste zugesagt hat. Seit Beginn des Aufstands vor neun Monaten sind nach Angaben der Vereinten Nationen in Syrien mehr als 5000 Menschen getötet worden.

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