Politik : Hunger und noch mehr Armut

In Nordkoera gehen die Vorräte des Winters zu Ende – die UN schlagen Alarm

Ruth Ciesinger

Berlin - Die Lebensbedingungen in Nordkorea drohen sich weiter zu verschlechtern. Im Frühjahr steht es generell nicht gut um die Versorgung der 23 Millionen Nordkoreaner. Im April, spätestens im Mai sind die Vorräte vom vergangenen Herbst aufgebraucht, früher Weizen und andere Feldfrüchte werden erst ab dem Sommer geerntet. Dazu kommt jetzt eine Warnung des Welternährungsprogramms (WFP), auf dessen Hilfe rund 6,5 Millionen Nordkoreaner angewiesen sind. Ab Mai, sagt der Leiter des Nordkorea-Programms, Richard Ragan, wird die UN-Organisation nicht mehr genügend Nahrungsmittel zur Verfügung stellen können. Der Grund: Es fehlt an Geld.

Den Bedarf an Nahrungsmitteln für dieses Jahr veranschlagt das WFP auf etwa eine halbe Milliarde Tonnen, dazu gehören Trockenmilch, Speiseöl, Getreide, Hülsenfrüchte oder Fisch. Die Kosten liegen bei 200 Millionen Dollar, doch bisher gibt es von Seiten der Geberländer wenig Zusagen. Nach einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa hat Ragan nun auch Deutschland, das zu den fünf wichtigsten Gebern zählt, indirekt um mehr Hilfe gebeten: „Wenn die Finanzspenden jetzt etwas schneller fließen, könnten wir die Lücke füllen.“

In den vergangenen Jahren hatte es in dem abgeschotteten Land minimale Fortschritte bei der Versorgung gegeben. Die Zahl der chronisch unterernährten Kinder ist seit 2002 „von 42 Prozent auf 37 Prozent gesunken“, sagt Monika Midel vom WFP. Jedoch seien immer noch sieben Prozent aller Kinder unter sieben Jahren akut unterernährt und viel zu klein für ihr Alter. Kinder ebenso wie Schwangere und alte Leute sind besonders auf die Nahrungsmittellieferungen angewiesen.

Die Wirtschaftsreformen, die sich Nordkoreas steinzeitkommunistisches Regime unter Staatschef Kim Jong Il in den vergangenen Jahren verordnet hat, könnten die kritische Situation sogar noch verschlimmern. Zwar werden jetzt Waren auf den Märkten feilgeboten, doch zu Preisen, die sich viele Nordkoreaner nicht leisten können. Vor allem die Belegschaften stillgelegter Fabriken stehen mittellos da. Ralph Gust-Frenger von der Deutschen Welthungerhilfe in Pjöngjang spricht von „deutlichen Verlierern“ der Reformen und einer Armut, die es „so bisher nicht gab“.

Trotzdem hat das Regime in den vergangenen Monaten gegenüber den internationalen Hilfsorganisationen seine Gangart noch verschärft. Ohnehin darf man sich in Nordkorea nicht frei bewegen und muss jede Reise – auch zur Kontrolle der Hilfsprojekte – erst genehmigen lassen. Im vergangenen Herbst erließ Pjöngjang dann eine Richtlinie, mit der solche Besuche noch einmal stark eingeschränkt wurden.

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