Hungerkrise : Bundestag debattiert über Lebensmittelpreise

Die Ernährungskrise beschäftigt den Bundestag: Die Abgeordneten wollen über Ursachen und Lösungen zur Beseitigung der weltweiten Nahrungsengpässe debattieren. Die Ansätze von Politikern und Experten sind vielfältig und teilweise widersprüchlich.

Ernährung
Die Preise für Grundnahrungsmittel sind gestiegen. -dpa

BerlinDer Bundestag beschäftigt sich mit den weltweit steigenden Nahrungsmittelpreisen. Die Grünen haben eine Aktuelle Stunde beantragt und wollen über Strategien zur Lösung der Welternährungskrise debattieren. In den vergangenen Wochen war es deshalb zu Unruhen in Nordafrika, Lateinamerika und Asien gekommen. Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich für eine höhere Nahrungsmittelproduktion in Europa ausgesprochen.

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) warnte vor einer agrarpolitischen Wende. "Ich kann nur davor warnen, vorschnell Entscheidungen zu fällen. Denn wenn man die Produktionsmengen erhöht, kann dies sehr schnell zu einer Reduzierung der Preise führen", sagte Beckstein der Zeitung "Die Welt". Es sei zwar notwendig, auf die weitere Stilllegung von Agrarland zu verzichten. "Die Nahrungsmittelknappheit auf der Welt ist jedoch nicht allein dadurch zu lösen. Da dürfen wir uns nichts vormachen."

Abbau von EU-Subventionen

Der SPD-Politiker Volker Hauff, der als Vorsitzender des Rats für Nachhaltigkeit die Bundesregierung berät, setzte sich in der "Welt" für einen Kurswechsel in der europäischen Agrarpolitik und für den Abbau von Subventionen ein. "Die EU darf sich nicht länger abschotten und muss ihre Märkte für Importe aus den Entwicklungsländern öffnen", sagte er. "Die Industriestaaten müssen die Landwirtschaft in den Entwicklungsländern stärken und die Dörfer wieder attraktiv machen."

Auch die FDP-Europaabgeordnete Silvana Koch-Mehrin mahnte Veränderungen bei den EU-Agrarsubventionen an. "Die heutige Politik ist ein wesentlicher Grund für die steigenden Lebensmittelpreise und den Hunger in der Welt", sagte sie dem "Hamburger Abendblatt". "EU-Agrarsubventionen machen es Entwicklungsländern schwer, eine eigene moderne Landwirtschaft aufzubauen."

Seehofer warnte am Dienstag im Bayerischen Fernsehen vor einer Nahrungsmittel-Abhängigkeit vom Ausland. "Ich möchte nicht, dass bei dem sich abzeichnenden Wettbewerb weltweit um Nahrungsmittel wir Deutschen abhängig werden vom Ausland", sagte er.

Bevölkerungswachstum verschärft die Krise

Angesichts der weltweit drohenden Ernährungskrise forderte die Deutsche Stiftung Weltbevölkerung (DSW) mehr Familienplanung. Das schnelle Bevölkerungswachstum verschärfe die Krise, sagte Geschäftsführerin Renate Bähr. "Es gibt Chancen, das Weltbevölkerungswachstum zu verlangsamen, und zwar ganz entscheidend durch mehr Familienplanung."

Zwar hätten weltweite Bemühungen zur Familienplanung bereits Früchte getragen und die durchschnittliche Kinderzahl von sechs auf drei verringert, sagte Bähr. "Aber es gibt immer noch 200 Millionen Frauen auf der Welt, die gerne verhüten würden, die es nicht können, weil sie keinen Zugang haben." Wenn sich dies ändere, verringere dies das Bevölkerungswachstum um ein Fünftel. "Das ist etwas, was man tun sollte. Das ist menschenwürdig, und es hilft, diese Ressourcenengpässe, in die wir hineinlaufen, zumindest zu verlangsamen und zu reduzieren", erklärte die DSW-Geschäftsführerin. (nim/dpa)

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