Hungerkrise : Gespannte Ruhe in Haiti

Die Lage in Haitis Hauptstadt Port-au-Prince hat sich am Donnerstag leicht beruhigt. Gewalttätige Proteste könnten aber erneut aufflammen, sollte Präsident Préval den Demonstranten nicht entgegenkommen.

Haiti
Schlange stehen für Benzin in Port-au-Prince. -Foto: AFP

Port-au-PrinceNach der ultimativen Aufforderung von Präsident René Préval, die Gewalt einzustellen, war es nach Angaben von Augenzeugen am Donnerstag ruhiger als am Vortag, als Tausende von Demonstranten plündernd durch die Stadt zogen. Jedoch kam es auch am Donnerstag noch zu Überfällen auf Supermärkte und Tankstellen. Am Nachmittag wurden dennoch einige Geschäfte wieder geöffnet.

"Im Vergleich zu Mittwoch hat sich die Lage deutlich entspannt", sagte ein Einwohner. Der Senat hatte zuvor Premierminister Jacques-Édouard Alexis zum Rücktritt aufgefordert. Auch die Demonstranten riefen den Premier auf, seinen Hut zu nehmen. Das Land brauche Lösungen für die dringendsten Probleme, die Alexis nicht erreicht habe, hieß es zur Begründung. Noch am Donnerstagmorgen rief Alexis in aller Eile die Botschafter der Geberländer zusammen, um sie um finanzielle Unterstützung zu bitten.

Préval will nicht nachgeben

Präsident Préval hatte in seiner Ansprache am Mittwoch nur vage eine Änderung in der Regierung in Aussicht gestellt und unterstrichen, dass er sich dem Druck der Straße nicht beugen werde. Er machte den Menschen nur wenig Hoffnung auf eine Senkung der Preise für Grundnahrungsmittel.

Die Unruhen waren Ende der vergangenen Woche wegen der ständig steigenden Preise für Lebensmittel zunächst in der südhaitianischen Stadt Les Cayes ausgebrochen. Bisher kamen fünf Menschen ums Leben, Dutzende wurden verletzt. In der Hauptstadt wurden zahlreiche Geschäfte, Banken, Tankstellen und Privathäuser geplündert. "Die Regierung hat noch kein Mittel gefunden, um dem Vandalismus Einhalt zu gebieten", sagte ein Vertreter einer internationalen Hilfsorganisation.

Steckt Aristide hinter den Unruhen?

Die von Rundfunk und Fernsehen ausgestrahlte Ansprache von Préval wurde von den meisten Menschen in Haiti mit Enttäuschung aufgenommen. Auch internationale Beobachter vermissten konkrete Maßnahmen. Viele äußerten die Vermutung, dass Drogenbanden oder Anhänger des 2004 gestürzten Präsidenten Jean-Bertrand Aristide die Unruhen provoziert haben, mit dem Ziel, die Lage im ärmsten Land Amerikas weiter zu destabilisieren. Das Land ist in Jahrzehnten der Diktatur wirtschaftlich und politisch völlig ruiniert worden. Seit Mitte 2004 versucht die UN-Mission Minustah, Haiti den Weg in die Demokratie zu ebnen.

Unterdessen warnte die Welthungerhilfe in Bonn vor den Folgen der weltweit gestiegenen Nahrungsmittelpreise. In Haiti sei es zu den schweren Ausschreitungen gekommen, nachdem sich die Preise für Nahrungsmittel und Benzin im vergangenen Jahr verdoppelt hatten. "Die Ärmsten zahlen die Zeche für eine falsche Politik der letzten Jahre. Die landwirtschaftliche Entwicklung ist sowohl von den Industrieländern als auch von den betroffenen Ländern selbst vernachlässigt worden", beklagte Hans-Joachim Preuß, Generalsekretär der Welthungerhilfe. (feh/dpa)

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