Politik : Hungerkrise im Süden löst Kritik an reichen Ländern aus

Washington/Berlin - Die Warnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank vor einer Verstärkung der Hungerkrise im Süden haben scharfe Kritik an den wirtschaftspolitischen Weichenstellungen der reichen Länder hervorgerufen. Der UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, Jean Ziegler, die Welthungerhilfe und die Organisation Foodwatch verurteilten am Montag vor allem die Verwendung von Nahrungsmitteln für die Herstellung von Biosprit und die Agrarsubventionen etwa in den USA und der Europäischen Union. Die Welthungerhilfe beziffert die Zahl der Menschen, die Hunger leiden, auf mehr als 850 Millionen.

Für Menschen in armen Ländern seien die stark gestiegenen Lebensmittelpreise „eine Frage des Überlebens“, sagte der UN-Beauftragte Ziegler der französischen Zeitung „Libération“. Die Welt steuere auf einen „sehr langen Zeitraum mit Unruhen“ und Konflikten wegen der steigenden Nahrungsmittelpreise zu. Ein Faktor für die Preiserhöhungen seien die Biokraftstoffprogramme in den USA und der EU. Im Bayerischen Rundfunk bezeichnete Ziegler die Herstellung von Biotreibstoffen als „Verbrechen gegen die Menschheit“. Er kritisierte auch IWF-Auflagen an die Entwicklungsländer, ihre Landwirtschaft auf den Export auszurichten, um Devisen für Zins- und Tilgungszahlungen einzunehmen. Zusammen mit den Exportsubventionen für Agrarprodukte aus reichen Ländern, „die lokale Agrarmärkte plattmachen, kommt man so zu einer explosiven Situation“, sagte Ziegler.

Angesichts der weltweit gestiegenen Preise für Grundnahrungsmittel warnte nach dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auch die Weltbank vor gewaltsamen Unruhen in zahlreichen Ländern. Grob geschätzt drohten rund 100 Millionen Menschen ins „Elend“ abzurutschen, sagte Weltbank-Direktor Robert Zoellick. Dem von Hungerunruhen erschütterten Haiti sagte die Weltbank eine Soforthilfe von zehn Millionen Dollar (rund 6,3 Millionen Euro) zu. AFP

0 Kommentare

Neuester Kommentar