Politik : Hurra, wir haben’s noch

Trotz der Börsenflaute: Die Deutschen können nach wie vor viel Geld auf die hohe Kante legen

Daniel Rhee-Piening

Da sage noch mal jemand, die Menschen in Deutschland hätten kein Geld. Allein mit den Ersparnissen aus dem vergangenen Jahr könnten die Bürger in Deutschland rund 500000 Eigenheime zum Stückpreis von 275000 Euro kaufen, hat das Statistische Bundesamt errechnet. 138 Milliarden haben die Deutschen auf die hohe Kante gelegt – trotz Talfahrt an den Börsen und Konjunkturflaute. Den Titel als Sparweltmeister haben ihnen zwar die Franzosen abgejagt, aber die deutsche Sparquote kann sich mit 10,2 Prozent des verfügbaren Einkommens immer noch sehen lassen. 10,2 Prozent, das sind rund 1 700 Euro pro Kopf.

Auch wenn die Kurse an den Börsen drastisch zurückgehen und allein im vergangenen Jahr beim Aktienvermögen etwa 100 Milliarden Euro vernichtet worden sind – offenbar ist immer noch genug übrig, um etwas beiseite legen zu können. Aus dem Aktienfiasko haben sie allerdings gelernt: Wurden 1999 und 2000 noch Aktien im Wert von jeweils rund 30 Milliarden Euro gekauft, warfen die Deutschen im vergangenen Jahr Aktien im gleichen Volumen auf das Parkett. Man setzt wieder auf das gute alte Sparbuch. Vorbei sind die Zeiten, als eine große deutsche Bank mit dem Slogan werben konnte: „Das Sparbuch heißt Sparbuch, weil man es sich sparen kann.“ Auf das große Geld an der Börse mag niemand mehr hoffen. Jetzt werden wieder kleine Brötchen gebacken: In einer Umfrage der Sparkassen gaben 58 Prozent der Befragten an, ihr Geld auf das Sparbuch einzahlen zu wollen. Die niedrigen Zinssätze sind ihnen egal – Hauptsache sicher.

Auch für die Altersvorsorge genießt das Sparbuch wieder hohes Ansehen. Riester-Rente hin, Investmentfonds her – 20 Prozent und damit drei Mal mehr Bundesbürger als im Vorjahr nutzen das Sparbuch für die Absicherung im Alter. Dafür haben die Deutschen recht gut vorgesorgt: Im Durchschnitt hat jeder Haushalt rund 95100 Euro zurückgelegt. Doch wie das mit Durchschnittszahlen so ist: Natürlich können nicht alle Haushalte etwas zur Seite legen.

Insgesamt belief sich das Geldvermögen aller Haushalte in Deutschland im vergangenen Jahr auf 3653 Milliarden Euro. Immerhin sind vier von zehn Haushalten derzeit mit ihrer finanziellen Situation zufrieden. Die Zahl derjenigen, die angeben, dass sich ihre finanzielle Situation verschlechtert hat, erhöhte sich allerdings von 16 auf 22 Prozent. Und 14 Prozent der befragten Deutschen geben sogar an, gegenwärtig von Geldsorgen geplagt zu werden.

Ob Sparen aber auf Dauer wirklich hilft?Viele haben da offenbar so ihre Zweifel. Nur noch 23 Prozent der Befragten glauben daran, dass es ihnen in Zukunft finanziell besser gehen werde. Im vergangenen Jahr waren es noch 29 Prozent.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben