I Have A Dream : Was Experten und Prominente von der US-Wahl erwarten

Von Stefan Effenberg bis Wim Wenders: Der Tagesspiegel hat Experten und Prominente aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Sport und Kultur gefragt, was sie sich erträumen vom 44. Präsidenten der USA.

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Wim Wenders.Foto: AFP

GÜNTER WALLRAFF, 66, Journalist und Autor



„Bush Junior hat einen enthemmten, tollwütig gewordenen Kapitalismus höchstpersönlich gefordert und gefördert: an der Aktienbörse, bei der Army, im Irak-Krieg und in der Armenküche. Er hat dabei eine Menge ’Menschenmaterial’ zu Tode kommen lassen. Weil es aber Menschen sind, gehört der Mann eigentlich vor ein internationales Kriegsverbrechertribunal. Das wäre das schönste Geschenk des neuen US-Präsidenten an die Welt. Froh wäre ich aber auch, wenn Barack Obama der herrschenden Klasse in den USA zu mehr Bescheidenheit verhelfen würde und die zig Millionen von dieser Klasse Niedergetretenen zu neuer Würde finden könnten.“

RENATE KÜNAST, 52, Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen

„Ich setze darauf, dass Barack Obama als Präsident den Klimaschutz deutlich wichtiger nimmt als sein Vorgänger. Er wird enorm in Energieeffizienz und erneuerbare Energien investieren – allein schon, weil er die USA unabhängiger von Ölimporten aus Nahost machen will. Obama wird internationale Klimavereinbarungen unterzeichnen, das wäre eine Zeitenwende. Ich erwarte, dass Obama – trotz des Führungsanspruchs der USA – bei der Lösung von Problemen wieder mit anderen Staaten redet. Und ich bin sicher, dass er auch auf Vorschläge der Europäischen Union hört, statt wie George W. Bush die EU zu spalten.“

CLAUS KLEBER, 53, Moderator des Heute-Journals und ehemaliger ARD-Korrespondent in Washington

„Neuanfänge wagen, nach Irrwegen mutig die Richtung wechseln – kein anderes großes Land schafft das wie die USA. Nrgendwo anders wäre ein Polit-Genie wie Barack Obama so schnell nach oben gekommen. Nun steht er vor dem Weißen Haus. Ein Schritt fehlt noch – der, der alles entscheidet. Auch für uns.“

VOLKER SCHLÖNDORFF, 69, Regisseur

„Überleben Sie, baden Sie in Drachenblut, kein Lindenblatt vergessen. Und geben Sie allen Kids dieselben Chancen in der Schule, die Sie hatten. Entreißen Sie sie ihrem Geburtsmilieu, so wie Sie ihm entrissen wurden.“

LESLIE MALTON, 49, amerikanische Schauspielerin, die in Berlin zu Hause ist

„Ich erwarte von einem neuen Präsidenten – hoffentlich wird es Barack Obama – mehr Offenheit für das komplizierte Geflecht und Verständnis für die Traditionen der verschiedenen Länder dieser Welt. Ich wünsche mir jemanden mit Weitsicht und Friedfertigkeit, der dem amerikanischen Volk den Glauben an die Werte zurückgibt, die das Land groß gemacht haben.“

ERIC T. HANSEN, 48, Autor, auf Hawaii aufgewachsen, in Berlin dem typisch Deutschen auf der Spur

„Als nächsten Präsidenten wünsche ich mir nicht unbedingt jemanden, der stets genau die gleiche Meinung vertritt wie ich. Wovon ich wirklich träume, ist ein Mensch, der das mächtigste politische Amt der Welt nicht als persönliche Trophäe begreift, sondern als Dienst an seinem Volk. Und wenn das nicht klappt, hätte ich zumindest gerne einen, über den man gute Witze reißen kann.“

CYNTHIA BARCOMI, 45, Besitzerin der Kaffeerösterei Barcomi's, wo es US-Kaffee-Lebensart gibt

„Ich habe den Traum, dass der neue amerikanische Präsident, erstens: endlich aus meiner Generation kommt. Zweitens: dieselbe Universität besucht hat wie ich (Columbia University in New York City). Drittens: er in der Lage ist, die globale Wirtschaft zu stabilisieren.  Viertens: er Respekt und Intelligenz in die US-Außenpolitik bringt. Fünftens: er Barack Obama heißt!“

WIM WENDERS, 63, Regisseur, hat lange in Amerika gelebt

„Ich erhoffe mir von dem zukünftigen amerikanischen Präsidenten, dass er erstens Barack Obama heißt, und dass er zweitens dieses große weite Land aus seiner tiefen Provinzialität zurückholt in die Welt! Die Amerikaner leben nun zu lange schon in einer imaginären  Parallelwelt zu den wirklichen Bedürfnissen und Nöten unseres Planeten Erde.“

DON JACKSON, 52, Trainer der Eisbären Berlin, ist in Minneapolis aufgewachsen

„Ich sage jetzt nicht, dass die alte Regierung total daneben lag, manches an ihrer Philosophie hat mir auch gefallen. Aber das Land braucht einen Richtungswechsel. Wir hatten den „bad boy" Bush, nun brauchen wir ein sanfteres Gesicht, denn unser Bild in der Welt  muss sich verbessern.“

JOSEF BRAML, 40, USA-Experte der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik

„Jede Nacht träume ich davon, dass Sie, Mr. President, das schaffen werden, was ,Amerikaexperten‘ nicht gelingt: Der deutschen Öffentlichkeit zu erklären, dass Sie, Mr. US-President, gewählt werden, um amerikanische Interessen durchzusetzen und nicht unsere Wünsche und Sehnsüchte erfüllen können. Ich träume auch davon, dass Sie Ihren Fans, Groupies und Jüngern hierzulande erläutern  werden, dass Sie nicht über Wasser gehen und ihre Politikvorstellungen nur in Zusammenarbeit mit Ihren institutionellen Gegenspielern im Kongress (der ebenso am 4. November gewählt wird) in die Tat umsetzen können.“

GAYLE TUFTS, 48, Entertainerin und Erfinderin des "Dinglish"

„Ich habe den Traum, dass mit Barack Obama meine Heimat neue Energie und Hoffnung bekommt, und dass durch ihn und seine junge, dynamische Familie wieder neue gesunde Gewohnheiten ins Weiße Haus einkehren werden. Schöne europäische Gewohnheiten wie zuhören, nachdenken und spazieren gehen an der frischen Luft. Eine Krankenversicherung für alle, eine finanzierbare Bildung und Menschenrechte wären auch nicht schlecht.“

JAMES ROSENQUIST, 75, amerikanischer Pop-Art-Künstler

„Gewinnt Obama die Wahl, werden wir einen langsamen, positiven Wandel in unserer Wirtschaft erleben. Ich hoffe und glaube, dass wir gute Staatskunst in unsere Beziehungen zur Welt bringen werden, da Obama keine Angst vor Verhandlungen hat. Die neue Regierung würde nicht das reaktionäre militärische Verhalten an den Tag legen wie die vergangene. Ich bin Optimist, denn da draußen gibt es viele gute Ideen, die viele Menschen gebrauchen könnten. Ich freue mich auch auf bessere Beziehungen zu Deutschland,  Europa und dem Rest der Welt.“

RIK DELISLE, 61, Radiomoderator, in den USA geboren und findet: Rock'n'Roll is just a state of mind

„Erstens: Wir Amerikaner wählen den Präsidenten, und es ist unsere Wahl und nicht die der Deutschen. Deswegen wünsche ich mir, dass die Deutschen aufhören auf unseren Präsidenten herumzuhacken (ich habe mich auch nicht über Gerhard Schröder beklagt!). Zweitens: Ich wünsche mir, dass die USA die Finanzkrise in den Griff bekommen und wir weiter machen als stärkste Nation der Welt. Drittens: Der neue Präsident muss ja nicht mit Angela Merkel schlafen, aber eine enge Beziehung wäre nicht schlecht.“

JOHN KORNBLUM, 65, ehemaliger US-Botschafter in Deutschland

„Ich hoffe, dass der neue Präsident das Vertrauen in die amerikanische Regierung und ihre Glaubwürdigkeit wiederherstellen kann, sowohl innerhalb der Vereinigten Staaten wie auch im Ausland. Weltweiter Frieden und Wohlstand benötigen die Unterstützung der  starken und wohl angesehenen Vereinigten Staaten von Amerika. Die wichtigste Aufgabe des neuen Präsidenten wird es sein, diese  amerikanische Ordnungsrolle wiederherzustellen.“

HENRIK RÖDL, 39, Trainer der U20-Basketballnationalmannschaft, hat in North Carolina studiert

„Die Finanzkrise zeigt, dass es wirtschaftlich jetzt um einen Neuanfang geht. Aber auch weltpolitisch kann es nicht so wie in den vergangenen Jahren weitergehen. Da muss eine neue Richtung eingeschlagen werden.“

STEFAN EFFENBERG, 40, ehemaliger Fußball-Nationalspieler, lebte viele Jahre in den USA

„Jetzt muss sich erst einmal Amerikas Wirtschaft erholen. Große Reden schwingen kann man immer, aber die USA müssen wieder dahin kommen, wo sie einmal waren. Zurzeit wird hier Hoffnung groß geschrieben, vor allem in Verbindung mit Barack Obama. Darum glaube ich auch, dass er gewinnen wird. Für uns Deutsche ist es wichtig, dass die Beziehungen zu Amerika besser werden – und  dafür stehen beide Kandidaten.“

HOLLY-JANE RAHLENS, 58, Schriftstellerin, gelernte Berlinerin aus Brooklyn

„Ehrlich: Es ist mir schleierhaft, wie jemand, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte ist, Präsident irgendeines Landes werden möchte, obendrein auch noch Präsident der USA. Das vorausgeschickt, wünsche ich mir dennoch heftig einen neuen Präsidenten, der kompetent ist, Visionen hat und sich integer verhält. Und falls das nicht zu viel verlangt ist, wäre es auch prima, wenn er weiß, wie man einen guten Witz landet, eine schöne Krawatte auswählt, und wenn er nebenbei auch noch Demokrat wäre.“

HARALD ZUR HAUSEN, 72, Mediziner und Nobelpreisträger

„Vom künftigen Präsidenten würde ich mir wünschen, dass er der Forschungspolitik hohe Priorität zuspricht, dass er zum Beispiel Stammzellenforschung fördert, er der Evolution des Lebens und damit der Evolutionsbiologie den Rang einräumt, den sie verdient. Mir  gefällt, dass einer der Kandidaten, Barack Obama, den Präsidenten des renommierten Sloan-Kettering Instituts und früheren  Nobelpreisträger Harold Varmus zum wissenschaftlichen Berater gewählt hat. Davon wird nicht nur die Krebsforschung profitieren.“

MAX RAABE, 45, Sänger

„Von dem nächsten amerikanischen Präsidenten erhoffe ich mir, dass er häufiger mit der amerikanischen Verfassung wedelt als mit der amerikanischen Fahne.“

HANS-ULRICH KLOSE, 71, SPD-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender der deutsch-amerikanischen Parlamentariergruppe

„Wir, der Westen, müssen zusammenarbeiten, um politische Lösungen für die Probleme und Konflikte der Welt zu entwickeln. Die USA unter neuer Führung sollten dabei wieder eine führende Rolle übernehmen. Führung erfordert Mut und die Bereitschaft zum Dialog.  Beides erhoffe ich mir von dem 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.“

DIETER HOENESS, 55, Manager des Fußball-Bundesligisten Hertha BSC

„Ich glaube, dass in den USA ein wesentlicher Politikwechsel nötig ist. Dieser imperialistische Stil wie ihn die scheidende Regierung geprägt hat, kann nicht mehr stattfinden. Durch diesen politischen Stil sind viele Probleme entstanden. Ich erwarte, dass Barack Obama eher für diese neue Politik stehen kann als John McCain.“

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